Dabei ist ein Hornissenstich keinesfalls gefährlicher als der Stich einer Wespe oder Biene. Und das Risiko, von dem gefährlich aussehenden Fluginsekt attackiert zu werden, ist schon allein deshalb gering, weil Hornissen normalerweise weitaus weniger Interesse an Kuchen oder süßen Getränken haben als bestimmte Wespenarten. In umfangreichen Studien haben kanadische Wissenschaftler nachgewiesen, dass eine gesunde Ratte 60 Hornissenstiche überlebt, und daraus errechnet, dass für einen Menschen erst mehr als 1000 Stiche lebensbedrohlich wären. Doch so viele Tiere leben gar nicht in einem Nest.
Wirklich gefährlich ist ein Hornissen-, Bienen- oder Wespenstich nur in zwei Fällen: erstens, wenn er in Mund oder Rachen erfolgt, weil die entstehende Schwellung die Luftwege verlegen kann, und zweitens, wenn der Gestochene gegen das Gift allergisch ist. Für Nichtallergiker ist Hornissengift dagegen nicht toxischer als das von Wespen oder Bienen. Im Gegenteil: Bienengift ist etwa fünfmal stärker, und das von Wespen in etwa gleich stark.
Auch der Schmerz, der durch den Hornissenstich ausgelöst wird, ist allenfalls geringfügig heftiger als etwa der Stich einer Wespe. Menschen, die sich häufig in der freien Natur aufhalten, und ganz besonders Jäger können da ein Wörtchen mitreden. Denn es kommt immer wieder vor, dass Jäger beim Betreten einer geschlossenen Jagdkanzel von verstörten Wespen oder Hornissen gestochen werden, die darin ein Nest gebaut haben. Wobei anzumerken ist, dass die erheblich größeren und lauter brummenden Hornissen von ihrem Wesen her grundsätzlich weitaus weniger angriffslustig sind als Wespen. Nur wenn man sie erschreckt, greifen sie an. Normalerweise benutzen Hornissen ihren Stachel gar nicht gegen Menschen oder größere Tiere, sondern gegen andere Insekten, etwa beim Kampf mit arteigenen Rivalinnen oder bei der Jagd auf größere und wehrhaftere Beutetiere.
Zum Schluss noch eine kurze Anmerkung zu besagter Insektengift-Allergie: Eine derartige Überempfindlichkeitsreaktion, von der etwa ein bis vier Prozent der Bevölkerung betroffen sind, tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf und kann in extremen Fällen sogar tödlich enden. Aber zum Glück kommt das äußerst selten vor. Im Durchschnitt stirbt am Stich einer Biene, einer Wespe oder einer Hornisse nur einer von rund 4 Millionen Menschen. Der Straßenverkehr fordert dagegen fast 360-mal so viele Todesopfer.





