„Multitasking“, die gleichzeitige Arbeit an zwei oder mehr Aufgaben, ist in aller Munde, verspricht die Methode doch, wertvolle Zeit zu sparen. Doch das ist ein Trugschluss. Unser Gehirn ist darauf angelegt, zu erledigende Tätigkeiten eine nach der anderen abzuarbeiten. Nur so ist maximale Aufmerksamkeit garantiert. Warum wird dann immer wieder der Nutzen dieser Arbeitsmethode propagiert, von der bei einer Untersuchung 72 Prozent der befragten Arbeitnehmer behaupten, praktisch täglich dazu gezwungen zu sein? Offensichtlich weil wir glauben, besonders produktiv zu sein, wenn wir etwa während eines Meetings E-Mails lesen oder WhatsApp-Nachrichten verschicken. Allerdings springt unser Gehirn dabei nur die ganze Zeit blitzschnell zwischen den beiden Tätigkeiten hin und her. Und verbraucht bei jedem Wechsel – neudeutsch „Task Switching“ genannt – Zeit und geistige Energie. Womit die Wahrscheinlichkeit, Fehler zu machen, deutlich ansteigt. Dass das der Produktivität alles andere als zuträglich ist, liegt auf der Hand. Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Utah zeigt beispielsweise, dass Probanden, die beim Autofahren auf einer abgesperrten Strecke zwei SMS schreiben sollten, durch die Gegend kurvten, als hätten Sie 0,8 Promille Alkohol im Blut. Und die SMS waren auch nicht fehlerfrei.
Für den raschen Wechsel zwischen zwei oder mehr Aufgaben ist in unserem Gehirn der präfrontale Cortex zuständig, eine Region, die sich erst spät in der Jugend entwickelt und zudem beim Älterwerden schon bald wieder zurückbildet. Das erklärt, warum speziell junge und ältere Menschen mit Multitasking massive Schwierigkeiten haben – auch wenn sie sich dessen vielleicht gar nicht bewusst sind. Untersuchungen beweisen, dass sich der ständige Wechsel zwischen mehreren Aufgaben gerade bei diesen beiden Altersgruppen negativ auf die Gedächtnisleistung auswirkt. Aber auch Personen mittleren Alters sparen durch Multitasking – das ist ebenfalls das Ergebnis einer einschlägigen Studie – keineswegs Zeit. Im Gegenteil: Im Vergleich zu Probanden, die eine Mail schreiben und nebenbei eine einfache Rechenaufgabe lösen sollten, waren andere, die die beiden Aufgaben nacheinander erledigten, nicht nur schneller fertig, sie hatten auch signifikant weniger Fehler gemacht. Und eine Blutuntersuchung ergab zudem, dass ihr Körper erheblich weniger Stresshormone ausgeschüttet hatte. Ein Hauptproblem von Multitasking besteht nämlich in der sogenannten Restaufmerksamkeit: Während man gedanklich längst bei der neuen Aufgabe sein sollte, spukt einem die vorhergehende noch immer im Kopf herum. Letztlich arbeitet man daher an keiner der beiden Aufgaben mit voller Konzentration.
Es gibt eine ganze Reihe von Methoden, die versprechen, mit ihrer Hilfe die anfallenden Arbeiten schnell und effektiv zu erledigen, ohne der Multitasking-Versuchung zu erliegen. Etwa das sogenannte Time-Boxing oder Time-Blocking. Doch diese Vorgehensweisen muss man regelrecht erlernen und immer wieder anwenden, bevor man sie schließlich perfekt beherrscht.





