Doch so abstoßend sich das Hochziehen auch anhören mag, aus medizinischer Sicht ist es die gesündere Variante. Laut einer Studie der Universität von Virginia ist der Druck beim Naseschnäuzen nämlich bis zu zehnmal so hoch wie bei einem gewöhnlichen Nieser. Daher besteht immer die Gefahr, dass Schleim und Erkältungsviren tief in die Nasennebenhöhlen oder über die Eustachische Röhre sogar bis ins Mittelohr geblasen werden. Dort können sie dann eine schmerzhafte und langwierige Entzündung auslösen. Denn sowohl die Nasennebenhöhlen als auch das Mittelohr sind normalerweise gut belüftete Räume, deren Zugänge offen sein müssen, damit die Schleimhäute gesund bleiben.
Das im Vergleich zum Schnäuzen gesündere Hochziehen – das bitte trotzdem möglichst sanft erledigt werden sollte – bringt in der Praxis allerdings zuweilen eine Herausforderung mit sich: Der Schleim gelangt in den Rachen, ja, manchmal sogar in den Mund. Und wenn man sich nun mal gerade in Gesellschaft befindet, muss man ihn von dort zwangsläufig hinunterschlucken, was manche Mitmenschen eklig finden. Doch eine Gesundheitsgefahr ist damit nicht verbunden, weil die geschluckten Keime auf diese Weise im Magen landen, wo der saure Magensaft ihnen zuverlässig den Garaus macht.
Wer den Schnodder dennoch lieber über die Nase hinausbefördern möchte, sollte die Nasenlöcher dabei am besten abwechselnd zuhalten, sodass die Luft ausströmen kann, ohne allzu großen Druck zu erzeugen. Außerdem sollte man unbedingt Einmal-Papiertaschentücher verwenden, keinesfalls solche aus Stoff. Doch nicht etwa, weil mit Stofftaschentüchern die Gefahr bestünde, sich an ihnen immer wieder neu anzustecken. In der Regel sind Menschen nach einer Erkältung nämlich erheblich länger gegen die auslösenden Erreger immun, als diese in Taschentüchern überleben können. Studien haben gezeigt, dass bei den meisten Menschen die Immunität gegen Rhinoviren – die Haupterreger von Schnupfen – mindestens ein Jahr lang anhält. Erst nach diesem Zeitraum kann man sich mit denselben Erregern theoretisch erneut infizieren.
Anders sieht es allerdings für jene unserer Mitmenschen aus, deren Immunsysteme sich bislang noch nicht mit den Erregern vertraut machen konnten: Sie können sich jederzeit sehr leicht an fremden Taschentüchern anstecken – ganz besonders, wenn es sich dabei um solche aus Stoff handelt. Denn die tagelang in der warmen Hosentasche herumgetragenen Rotzfahnen sind ein Paradies für Krankheitserreger. Falls sich der Kontakt mit benutzten Taschentüchern absolut nicht vermeiden lässt, – etwa bei der Pflege behinderter Personen –, sollte man sich daher anschließend unbedingt gründlich (!) die Hände waschen.





