Mit dieser Frage haben sich wiederholt Forscher beschäftigt. So infizierte die britische Common Cold Research Unit bereits 1946 Freiwillige mit Erkältungsviren und ließ dann eine Gruppe von ihnen mehrfach nach einem heißen Bad eine halbe Stunde in einem zugigen Durchgang ausharren. Andere mussten stundenlang nasse Socken tragen. Doch einen schlüssigen Beweis, dass Kälte, Nässe, Zugluft oder ähnliches die Erkältungsrate erhöht, fanden die Forscher nicht. So gab man sich notgedrungen mit der Erkenntnis zufrieden, dass wohl eher die Lebensumstände im Winter – häufiges Zusammensein mit anderen Menschen in geschlossenen, wenig belüfteten Räumen – an der Erkrankungshäufigkeit schuld seien. Zumal Versuche mit isolierten Rhinoviren zeigten, dass sie sich in kalter Umgebung keinesfalls stärker vermehren als in warmer.
Die Lösung des Rätsels gelang erst im Jahr 2015 einem US-amerikanischen Forscherteam unter Leitung von Betsy Foxman von der Universität Yale. Als die Wissenschaftler Zellen aus den Atemwegen von Mäusen mit Rhinoviren infizierten und unterschiedlichen Temperaturen aussetzten, stellte sich heraus, dass die Zellen bei 37 Grad Celsius mit den Viren kurzen Prozess machten. Dagegen war die Immunabwehr von bloß 33 Grad warmen Zellen deutlich schlechter, sie produzierten offensichtlich weniger Abwehrstoffe.
„Je niedriger die Temperatur ist, desto geringer scheint die körpereigene Immunantwort auf die Viren zu sein“, fasste Akiko Iwasaki, Professorin für Immunbiologie an der US-amerikanischen Yale University, die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen. Schließlich ist die Schleimhaut in unserer Nase, der Haupteingangspforte für die Viren, in Herbst und Winter deutlich kälter als unser Körperinneres. Deshalb können sich dann dort die Erreger, die wir aufnehmen, wenn uns jemand anniest oder wenn wir uns nach dem Berühren kontaminierter Oberflächen ins Gesicht fassen, besonders gut ausbreiten.
Dass tatsächlich eine Immunreaktion die Vermehrung der Viren je nach Temperatur fördert oder unterdrückt, belegten die Forscher mit einer weiteren Versuchsreihe. In Mäusezellen, denen die angeborene Abwehr fehlte, wiesen die Viren sowohl bei 33 als auch bei 37 Grad Celsius konstante Vermehrungsraten auf. Das erklärt auch, warum sich bei Frauen das Risiko für eine Blasenentzündung maßgeblich erhöht, wenn sie auf einer kalten Unterlage sitzen. Die Schleimhaut in der kurzen Harnröhre wird dadurch so stark abgekühlt, dass die Immunreaktion nur noch schwach ausfällt.





