Trotzdem war das Gezeter groß, als die Europäische Kommission unlängst empfohlen hat, rauchfreie Zonen auf bestimmte Außenbereiche auszudehnen. Mäßig originelle, populistische Politiker, die sonst höchstens eine Eins mit Sternchen in Ausländerfeindlichkeit und Steuerschonung von reichen Menschen bekommen, wetterten umgehend auch gegen Rauchverbote auf Spielplätzen, in Freibädern und Ähnlichem. Das ist natürlich Quatsch, denn es geht nicht um Rauchverbote, sondern um den Schutz von Nichtraucherinnen und Nichtrauchern.
Eine Riesenauswahl!
Im Tabakrauch sind mehr als 7.000 verschiedene chemische Substanzen enthalten, von denen über 60 Krebs erzeugen können. Also eine Riesenauswahl! Die hätte man woanders auch gern. Diese Substanzen will man natürlich nicht einatmen, wenn man nicht raucht. Und eigentlich auch nicht, wenn man raucht. Aber anders geht es halt nicht.
Wie lösen diese Substanzen Krebs aus? Da sind sie erfinderisch. Viele krebserzeugende Inhaltsstoffe des Rauchs entstehen primär bei der Verbrennung des Tabaks. Sie verursachen Krebs durch Genmutationen beziehungsweise DNA- oder Protein-Veränderungen in Schlüsselgenen, die das Zellwachstum regulieren. Unsere Zellen teilen sich ja ununterbrochen, und wenn sie dabei von Giftstoffen beeinflusst werden, dann kann dieser komplexe Vorgang schnell schiefgehen. Vor allem der chronische Kontakt etwa der DNA der Lungenzellen mit diesen krebserregenden Substanzen passt zu diesem Verständnis der Entstehung von Lungenkrebs.
Doch Rauchen schädigt nicht nur die Lunge. Denn was viele nicht auf dem Schirm haben: Alle Zelltypen, die in Kontakt mit Tabakrauch kommen, sind für diese Art der Tumoren anfällig. Alle Krebsarten im Kopf- und Halsbereich, außer dem Speicheldrüsenkrebs, zeigen statistisch ganz eindeutige Zusammenhänge mit dem Rauchen. Also Zungen-, Gaumen-, Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs sowie viele weitere. Die Auswahl ist fast ebenso groß wie die an krebserzeugenden Substanzen im Rauch.
Und damit nicht genug: Auch abseits der Atemwege ist der Zigarettenrauch diesbezüglich in uns erfolgreich. Denn er wird auch geschluckt und seine Schadstoffe werden über diverse Schleimhäute aufgenommen. So fördert er Karzinome in unerwarteten Organsystemen wie Darm oder Harnblase. Das klingt auf den ersten Blick überraschend, auf den zweiten aber nicht mehr. Wenn man Giftstoffe zu sich nimmt, können sie schließlich an vielen Stellen des Körpers auftauchen.
Der statistische Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs verstärkt sich übrigens noch deutlich durch zusätzlichen Alkoholkonsum. Das heißt, wenn man nur selten und in Gesellschaft raucht, ist das zwar selbstverständlich erst mal weniger ungesund als Kettenrauchen. Aber weil man beim Rauchen in Gesellschaft meistens auch Alkohol trinkt, kann man doch ein bisschen was wiedergutmachen – zumindest wenn das Ziel eine Krebserkrankung ist.





