Lass uns vorglühen, Schatz!
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Lass uns vorglühen, Schatz!

Sex ist bei vielen Menschen verständlicherweise sehr beliebt, aber genauso verständlicherweise wollen nicht alle jedes Mal danach Kinder haben. Der katholische Tipp, um das sicherzustellen, heißt Enthaltsamkeit. Aber das ist eher ein Praxistipp für die Theorie. Der echte Praxistipp lautet Verhütung. Sie beschäftigt uns Menschen schon seit Jahrtausenden. Bis man die komplizierten Vorgänge rund um Eireifung und Befruchtung wirklich verstanden hatte, waren vor allem Barrieremethoden das Mittel der Wahl. In einem ägyptischen Papyrus von 1850 vor unserer Zeitrechnung werden vaginale Stöpsel aus Honig mit Akazienblättern beschrieben, die in die Scheide eingeführt wurden. Es gab auch Blöckchen mit Krokodildung und fermentiertem Teig.
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Heute kommt man ohne Reptilienkot aus, und Pille und Kondom sind die Platzhirsche. Denn die Rhythmusmethode, das sogenannte Tage-Zählen nach Knaus-Ogino, ist wirklich nur für Menschen empfehlenswert, die gern mehr Kinder haben wollen. Als Verhütungsmethode ist sie unbrauchbar. Neben Kondomen, die den unschätzbaren Vorteil bieten, auch gegen Geschlechtskrankheiten zu schützen, ist die Pille der Tophit unter den Kontrazeptiva. Rund 25 Prozent aller Paare, die Verhütung praktizieren, vertrauen darauf. Das sind Millionen Menschen über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten. Trotzdem hört man immer wieder von gefährlichen Nebenwirkungen wie einer erhöhten Thrombosegefahr. Was ist da dran?

Schon bald nach der Einführung der Pille gab es erste Gerüchte über Thrombosen, also Gerinnsel in Venen, die zu einer Embolie führen können. Das will natürlich niemand. Fast genauso rasch war allerdings klar, dass es auf die Höhe der Hormondosis ankommt. Weshalb die Dosen sukzessive so sehr reduziert worden sind, dass heutige Präparate das Thromboserisiko maximal auf das 3- bis 5-fache erhöhen.

Das mag in manchen Ohren noch immer viel klingen, man darf allerdings nicht übersehen, dass junge Frauen wirklich nur ein winziges Risiko haben. Und wenn man etwas Winziges mit 3 oder 5 multipliziert, kommt immer noch etwas Winziges dabei heraus. Und das im Vergleich zum unbestreitbar großen praktischen Nutzen.

Manche Frauen machen auch immer wieder eine Pillenpause. Aber das ist nur ein historisches Überbleibsel und nicht medizinisch notwendig. Wer mit der Pille verhüten möchte, kann das ununterbrochen tun. Oder, in Absprache mit Arzt oder Ärztin, Depotpräparate verwenden, die die Hormone kontinuierlich abgeben.

Sind endlich die Männer dran?

Der wirklich große Nachteil der Pille besteht darin, dass die Verantwortung für die regelmäßige Einnahme exklusiv den Frauen obliegt. Die Pille für den Mann schafft es zwar immer wieder in die Schlagzeilen, aber noch nie ist eine davon in einem Apothekerregal gelandet. Doch auch hier ist Abhilfe in Sicht. Vielleicht wird es bald eine Methode nur für Männer geben, inklusive technischer Spielerei, das könnte viele interessieren.

Hoden brauchen es bekanntlich kühl. Deswegen hängen sie ja auch außen am Körper herunter und liegen nicht im 37 Grad Celsius warmen Bauch. Zumindest bei uns. Beim Biber sind sie sehr wohl innen verbaut. Damit es ihnen beim Tauchen nicht zu kalt wird – und aus Sicherheitsgründen. Denn wenn sie wie bei uns außen baumeln würden, könnte der Biber vielleicht gut gelaunt über einen Dammbau springen und dann blöd an einer Astgabel hängen bleiben.

Wird es den Hoden zu heiß, stellen sie die Produktion von Spermien ein – was zur Verhütung ja wünschenswert wäre. Heißt das, man sollte sich kurz vor dem Geschlechtsverkehr einfach auf die Heizung setzen oder sich heiß föhnen? Chinesische Forscher und Forscherinnen hatten letztes Jahr dazu eine bessere Idee. Sie bastelten Stäbchen aus Eisenoxid, also Rost, überzogen mit einer Schicht aus Zitronensäure, die Mäusen in die Vene gespritzt wurden. Dass die Tiere daraufhin Mineral-Zitron ejakulierten, ist allerdings ein haltloses Gerücht. Vielmehr wurde ein starker Magnet vier Stunden lang direkt an den Hoden platziert. Die magnetischen Nanostäbchen wurden davon angezogen und sammelten sich beim Magneten. Nach ein paar Tagen Vorbehandlung wickelte man eine elektrische Spule um die Mäusehoden und legte Strom an. Das dabei entstandene Magnetfeld heizte die Nanopartikel auf und die erwärmten die Hoden von innen. Je länger die Vorbehandlung dauerte, desto heißer wurden die Hoden.

Die Fruchtbarkeit der Mäuse wurde nach dieser Behandlung sieben Tage lang erheblich reduziert, normalisierte sich anschließend aber wieder. Ob das auch bei menschlichen Männern perfekt funktioniert, ist noch unklar. Denn die Bereitschaft von Versuchspersonen, sich elektrische Spulen um ihre Hoden wickeln und unter Strom setzen zu lassen, ist denkbar gering. Aber die Forschung geht weiter, und vielleicht bekommt „vorglühen“ dann eine ganz neue Bedeutung.

Martin Puntigam

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