Nein, keine Sorge: Wir haben uns selbstverständlich die Zeit genommen, um wie gewohnt Wissenschaft zu präsentieren. Und die eingangs gestellte Frage nach der Anzahl der Erdmonde ist gar nicht so einfach zu beantworten, wie man denken könnte. Wissenschaft bedeutet eben auch, sich gerade das ganz genau anzusehen, von dem man denkt, man weiß schon darüber Bescheid.
Also: Wie viele Monde hat die Erde? Um das zu klären, muss man genau genommen erst einmal definieren, was man denn mit dem Begriff „Mond“ meint. „Das große, helle Ding am Nachthimmel“ ist zwar eine prinzipiell vernünftige Antwort, aus astronomischer Sicht aber nicht ausreichend. Wie wäre es mit „Das, was unseren Planeten umkreist“? Auch nicht schlecht, aber mit so einer Definition hätte die Erde mit einem Schlag Tausende Monde. Denn was ist mit der Internationalen Raumstation? Den vielen Satelliten? Dem Weltraumschrott? Was ist mit Samantha Cristoforetti, der italienischen Astronautin, die im Juli 2022 (als erste europäische Frau) einen Außenbordeinsatz im Weltall absolviert und dabei natürlich auch die Erde umkreist hat? Wir können uns vermutlich darauf einigen, dass all das keine Monde sind. Aber es hilft auch nicht, wenn wir uns auf natürliche Objekte beschränken. Denn dann wäre jedes interplanetare Staubkörnchen, das da in einer Umlaufbahn herumschwebt, ein Mini-Mond der Erde.
Wie klein darf etwas sein, um noch „Mond“ genannt zu werden? Und wie lange muss es die Erde umkreisen? Reicht eine Runde, oder muss es schon seit der Entstehung der Erde vor 4,5 Milliarden Jahren da sein? Und was meint man eigentlich genau, wenn man „umkreist die Erde“ sagt?
Sie sehen schon, die Wissenschaft nimmt es genau. Was ja gut ist, denn wenn man einfach nur so vor sich hinredet, kann man vielleicht Karriere in der Politik oder als Gast in Talkshows machen – in der Forschung sollte man aber schon wissen, wovon man spricht.
Es ist kein Staubkorn – und es kreist um die Erde
Also legen wir einfach mal fest: Ein „Mond“ sollte ein natürlicher Himmelskörper sein und kein Staubkorn, sondern, sagen wir, mindestens einen Meter groß sein. Und die Erde umkreisen. Wie viele haben wir davon? Das kommt darauf an, wann Sie diese Frage stellen. Zwischen September 2006 und Juni 2007 hätte die Antwort „Zwei“ lauten müssen. Denn da kreiste der knapp drei Meter große Asteroid mit der Bezeichnung 2006 RH120 um unseren Planeten. Dieselbe Antwort hätten Sie auch zwischen 2016 und 2017 geben können, als sich die Erde den ebenso winzigen Asteroiden 2020 CD3 eingefangen hatte. Und vermutlich gab es noch viel mehr, denn es kommt immer wieder vor, dass Asteroiden in die Nähe der Erde geraten und von ihr zumindest temporär eingefangen werden. Aber dann auch eben wieder nach ein paar Runden im All verschwinden. Sie sind nur so kurz ein „Mond“, dass die NASA keine Chance hätte, dort zu landen. Es wäre nicht mal Zeit für eine gefälschte Mini-Mondlandung. Und hätte Neil Armstrong trotzdem auf einem der metergroßen Brocken aufgesetzt, hätte er seinen berühmten Satz vermutlich zu „That’s one small step for a man – but also a really tiny moon and there is not enough space for another step“ abändern müssen.





