Eines gleich vorweg: Wir können unser Ende natürlich nicht präzise vorhersagen. Und nein, es wird höchstwahrscheinlich kein Asteroid sein, der uns vom Antlitz der Erde fegt. Doch das hält die Wissenschaft nicht davon ab, sich an Prognosen zu versuchen. Einer der Ersten, der sich mathematisch mit unserem potenziellen Ende beschäftigt hat, war Gott. Allerdings nicht der Gott, an den Sie jetzt wahrscheinlich gerade denken, sondern der Kosmologe John Richard Gott III.
Jener irdische Gott hat 1993 in einer kontroversen Publikation eine Formel veröffentlicht, mit der er behauptete, das Ende der Welt vorhersagen zu können. Dass Kosmologen abenteuerliche Theorien zur Vorhersage der Zukunft unseres Universums aufstellen, kommt zwar häufiger vor, denn das ist schließlich ihr Beruf. Doch eine Formel für das Ende der Welt? Da läutet bei uns Science Busters doch gleich unser wissenschaftlicher Bullshitalarm – besonders, wenn die Behauptung von Gott dem Dritten kommt.
Dabei ist Gott eigentlich ein seriöser Wissenschaftler. Als Kosmologe beschäftigte er sich hauptsächlich mit der Entwicklung der großen Strukturen im Universum, den sogenannten Filamenten. Gott entdeckte zum Beispiel die Sloan Great Wall, die mit über einer Milliarde Lichtjahren Durchmesser zu den größten bekannten Strukturen im Universum zählt.
Wie kam es also zur absurden Formel? Gott hat sie sich als Zeitvertreib ausgedacht, als er als Student durch Europa reiste. Bei einem Besuch in Berlin 1969 hatte er einem Freund gegenüber der Berliner Mauer damit eine weitere Existenz von 2 bis 24 Jahren vorhergesagt. Als die Mauer gut 20 Jahre später tatsächlich fiel, inspirierte ihn seine jugendliche Voraussicht dazu, sein „Doomsday Argument” auszuformulieren und zu veröffentlichen. Darin berechnet er, dass unsere Spezies Homo Sapiens mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit frühestens in 5.100 und spätestens in 7,8 Millionen Jahren ihr Ende finden wird.
Wie kann ein Kosmologe die Zukunft besser vorhersagen als Nostradamus? Wie alles in der Wissenschaft ist auch das Ende nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Gotts Argument ist ein rein statistisches und genial einfach: Es bezieht sich auf unsere bisherige Existenzdauer, die Gesetze der Wahrscheinlichkeitsrechnung und die Tatsache, dass alles früher oder später zu Ende geht.
Nehmen wir an, Sie wollen das Ende einer Begebenheit mit unbekanntem Ausgang berechnen. Dazu müssen Sie wählen, wie treffsicher die Vorhersage sein soll. In der Statistik gilt die 95-prozentige Wahrscheinlichkeit gemeinhin als „Minimalwert“ für statistische Signifikanz. Wählen wir die 95 Prozent, bleiben uns also 5 Prozent unserer Zeitspanne, in der wir uns höchstwahrscheinlich nicht befinden. Davon sind 2,5 Prozent, also ein Vierzigstel, ganz am Anfang und genauso ein Vierzigstel ganz am Ende.





