Laut Überlieferungen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. sollen bereits damals in Mesopotamien mindestens 20 verschiedene Biersorten gebraut worden sein, die sich nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Farbe und dem Alkoholgehalt voneinander unterschieden. Die gesellschaftliche und kulturelle Relevanz von Bier in der menschlichen Entwicklung ist zwar unbestritten. Aber es existieren unterschiedliche Theorien, wann der Mensch das vermutlich wichtigste Getränk seiner Geschichte entdeckt hat. Denn Bier dient nicht nur dem Rausch, sondern die Verarbeitung von Getreide hat auch zur Herstellung von Brot geführt. Oder umgekehrt, das Brotbacken hat als Nebeneffekt die Bierbrauerei aufkommen lassen. Die genaue Reihenfolge ist nicht bekannt und somit Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung.
Warum aus einer Mischung aus Getreidebrei und Wasser und Gewürzen schließlich Bier wurde, konnten sich unsere Vorfahren lange nicht erklären. Denn Hefe, wie wir sie kennen, wurde erst Ende des 17. Jahrhunderts entdeckt. Bis dahin wusste man zwar, dass man etwas von dem Schaum, der bei der Gärung entsteht, aufheben und beim nächsten Mal ins Bier tun muss, damit man wieder Bier bekommt. Oder in einer Brauerei mit aus heutiger Sicht fraglichen hygienischen Standards einfach so lange warten, bis der Brauvorgang von selbst einsetzt. Heute weiß man, dass das durch Wildhefen passiert ist, die sich auf Früchten und Insekten befinden, aber bis ins 19. Jahrhundert war dieser Mechanismus weitgehend ungeklärt.
Doch das tat der Beliebtheit des Gerstensaftes natürlich keinen Abbruch. Wobei die Zuneigung geteilt ist: Es gibt Menschen, die loben Bier als göttlichen Nektar, der so schmecke, als würde einem ein Engel auf die Zunge weinen. Andere wenden ein, Bier mache lediglich dick und sorge ab und zu für abenteuerlich aromatischen Bierschiss.
Phänomen Bierschiss
Wer hat Recht? Vermutlich beide. Aber was ist an Bier so besonders, dass es für das von ihm mitproduzierte Stoffwechselprodukt sogar einen eigenen, überregional bekannten Begriff gibt? Es gibt keinen typischen Wodka-Schiss, Aperol-Schiss oder Whiskey-Schiss. Aber einen Bierschiss, den gibt es.
Durch seine beige bis fuchsrote, fast peinture-artige Farbgebung und die souffléartige Konsistenz wirkt der Bierschiss vielleicht sogar noch ansprechend, aber der Geruch bereitet keine Freude. Eigene Blähungen findet man in der Regel okay, bei Bierschiss hingegen stellt sich Vergnügen nur ein, wenn nach einem selbst direkt noch jemand auf die Toilette muss.
Was die Konsistenz betrifft, so ist sie direkt proportional zur parallel aufgenommenen Nahrung – und natürlich der getrunkenen Menge Bier: Ein Pfiff, Spruz oder ein Schnitt reichen nicht, um peristaltisch zu überzeugen. Damit kann man vielleicht in einem Aufzug kurz punkten, aber keine nachhaltige Wirkung erzielen.





