Von RAINER KURLEMANN
Die Ozeane sind das gemeinsame Erbe der Menschheit. Diese Feststellung steht etwas versteckt in Artikel 136 der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen (UN), die 1994 in Kraft getreten ist. Der Schutz der Meere gehört auch zu den 17 Zielen, die die Weltgemeinschaft vor zehn Jahren formuliert hat, um eine nachhaltige Entwicklung zu sichern. „Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen“, lautet die konkrete Formulierung. Das Bekenntnis zum Meer als schützenswerter Natur ist also noch relativ jung.
Die Ozeane galten lange Zeit als so groß, dass sie jede Form von Verschmutzung aushalten würden. Ein Umdenken begann erst Ende der 1960er-Jahre, als Arvid Pardo, UN-Boschafter des Inselstaats Malta, in der Generalversammlung die Idee vom Erbe der Menschheit vorstellte. Doch der Schutzgedanke konkurriert mit anderen Interessen. Zum einen mit der wirtschaftlichen Nutzung des Meeres allgemein und der dort lebenden Pflanzen und Tiere. Und zum anderen mit dem Anspruch der Anrainerstaaten, allein über die Nutzung des Meeres vor ihrer Küste zu entscheiden.
Der gemeinsame Wille fehlt
Eine internationale Wissenschaftsinitiative fordert, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der Meere – Gebiete der sogenannten Hohen See außerhalb der nationalen Hoheitsflächen – unter Schutz gestellt werden. Nur so könne die Artenvielfalt im Ozean wiederhergestellt und die erforderliche Menge an Rückzugsgebieten geschaffen werden. Generell soll dadurch das Ökosystem Meer unterstützt werden, damit es seine überlebenswichtige Funktion erfüllen kann. Doch 30 Prozent sind ein großes Ziel gemessen daran, dass derzeit noch nicht einmal das 10-Prozent-Ziel erreicht ist, das die Vereinten Nationen schon für Ende 2020 im Visier hatten.
UN-Generalsekretär António Guterres fordert deshalb mehr politischen Willen, um den „Notstand der Ozeane“ zu bekämpfen. Durch Überfischung, Verschmutzung, Zerstörung von Boden- und Küstenlebensräumen sowie die Klimakrise drohen sensible Ökosysteme zu kollabieren.
Wie schwer die Aufgabe ist, zeigen die Verhandlungen zum Schutz einer Fläche von etwa vier Millionen Quadratkilometern im Südpolarmeer, die etwa einem Prozent der globalen Meeresfläche entspricht. In der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) müssen 24 Staaten und die EU eine Lösung finden, die von allen Verhandlungspartnern gemeinsam getragen wird. Die Gespräche wurden 2011 aufgenommen. Ende 2021 scheiterte die bisher letzte Verhandlungsrunde erneut am Veto von China und Russland, die nicht auf den Fang von Krill verzichten wollen.





