von FRANK FRICK
Grünland nutzen, um Metalle zu fördern, anstatt durch Tagebau Land zu zerstören oder im Untergrund zu schürfen – diese Vision haben Medien schon häufiger heraufbeschworen, wenn sie über Phytomining (deutsch: Pflanzenbergbau) berichten: Man baut Pflanzen an, die über ihre Wurzeln Metalle aus dem Boden aufnehmen und sie in ihrem Gewebe oder ihren Säften anreichern – Fachsprache: akkumulieren. Anschließend erntet man die akkumulierenden Pflanzen und verbrennt die Biomasse. „Es entsteht ein Produkt, das als Bio-Erz bezeichnet werden kann“, schrieb 2015 eine internationale Gruppe von 14 Forschern um den Pflanzenbiologen Antony van der Ent, damals sowohl an der französischen Universität Lorraine in Nancy als auch an der australischen Universität von Queensland in Brisbane tätig. Doch vorab: Bergwerke wird es noch lange geben. Trotzdem ist es lohnend, sich mit dem Pflanzenbergbau zu beschäftigen: Er eröffnet Wege hin zu einer industriellen Produktion, die Rohstoffe einspart und umweltverträglicher ist als die heutige.
Die Bezeichnung Bio-Erz für eine Pflanzenasche klingt marktschreierisch. Doch die Angaben, die in der Publikation des Teams um Antony van der Ent folgen, lassen aufhorchen: Manche Bio-Erze bestehen zu 10 bis 25 Gewichtsprozent aus Nickel, während einige der mineralischen Nickel-Erze, die im Tagebau gefördert werden, nur rund 2 Prozent des Metalls enthalten. Außerdem ist das nickelhaltige Bio-Erz frei von Eisen- und Magnesiumsilicaten, die in oberirdisch vorkommenden Nickel-Erzen das Herauslösen des Metalls erschweren.
Seltene Spezies mit Überlebensvorteil
Pflanzenarten, die ein Metall akkumulieren können, sind selten: Von 350.000 bekannten Arten sind es gerade mal 750. Die Akkumulatoren haben sich alle auf Böden entwickelt, in denen natürlicherweise mindestens ein Schwermetall in erhöhter Konzentration vorkommt. Biologen gehen davon aus, dass der erhöhte Metallanteil den akkumulierenden Pflanzen einen evolutionären Vorteil verschafft: Die Pflanzen sind so besser vor pflanzenfressenden Insekten und anderen Tieren geschützt, denn für diese sind Schwermetalle giftig. Es sind Pflanzen bekannt, die Arsen, Selen, Kadmium, Kupfer, Kobalt, Lanthan, Mangan, Blei, Thallium oder Zinn anreichern. Vergleichsweise viele jedoch – über 400 – können Nickel akkumulieren. Im Saft der tropischen Baumart Pycnandra acuminata in Neukaledonien, einer Inselgruppe im südlichen Pazifik, wurden bis zu 25 Prozent Nickel nachgewiesen – entsprechend heißt die Pflanze in Deutschland Nickelbaum.
Das Potenzial des Phytomining wurde bereits in einer ganzen Reihe von Feldversuchen ausgelotet. So ließen Forscher der Universität Lorraine und albanische Kollegen der Universität Tirana in der Nähe einer ehemaligen Eisennickel-Mine in Albanien Mauersteinkraut anbauen, eine 20 bis 40 Zentimeter hohe, gelbblühende und nickelakkumulierende Pflanze. Sie ermittelten zwischen 2009 und 2014, dass sich auf diese Weise bei jeder Ernte pro Hektar Land 105 Kilogramm Nickel gewinnen lassen. 2016 gründeten Wissenschaftler der Universität Lorraine dann das Unternehmen Econick, um aus ihrer Forschung Kapital zu schlagen. Doch der kommerzielle Durchbruch blieb aus: Bis heute gibt es weltweit noch keine pflanzliche Metall-Mine, die mehr ist als ein Demonstrationsobjekt.





