von RALF BUTSCHER
Wo etliche Jahrzehnte lang der Bergbau das Leben der Menschen dominierte, wo riesige Maschinen Braunkohle in Tagebaubetrieben aus der Erde schürften und dabei gewaltige Löcher in die Landschaft frästen, erstrecken sich heute veritable Gewässer und ausgedehnte Wälder. Allmählich verheilen in der Niederlausitz, der Region im Süden Brandenburgs und Osten Sachsens die Narben des Bergbaus.
Nun entsteht dort, wo einst zwölf Tagebaugruben klafften, Europas künstliche Seenlandschaft – mit einer Wasserfläche von insgesamt mehr als 8000 Hektar. Das entspricht fast einem Sechstel der Fläche des Bodensees, Deutschlands größtem Binnengewässer. Das Lausitzer Seenland soll vor allem Touristen und Wassersportler anlocken, doch es bietet auch reichlich Möglichkeiten für das Wohnen auf dem Wasser.
So wurden auf dem Geierswalder See, einige Kilometer östlich von Senftenberg, vor einigen Jahren mehrere futuristisch wirkende Häuser errichtet. Auf dem rund 20 Autominuten davon entfernten Großräschener See ist für die nächsten Jahre ebenfalls der Bau von schwimmenden Häusern geplant.
Doch ein amphibisches Gebäude ganz besonderer Art lässt sich auf dem Bergheider See bestaunen – einem seit 2014 vollständig mit Wasser gefüllten Restloch des ehemaligen Tagebaus Klettwitz Nord, einige Kilometer südöstlich der 15.000-Einwohner-Stadt Finsterwalde. Der Abbau von Braunkohle endete dort im Dezember 1992, kurz nach der Wende und nach einem kaum mehr als vier Jahre währenden Förderbetrieb. 2001 begann die Flutung der aufgegebenen Baggergrube. Nun ist dort in einem kleinen, künstlich geschaffenen Hafenbecken ein schwimmendes Gebäude festgemacht – in unmittelbarer Nähe zur inzwischen zu einem Industriedenkmal gewordenen Braunkohleabraum-Förderbrücke „F60“, dem mit über 500 Meter Länge größten beweglichen Bergbaugerät der Welt. Ein Team von Forschern, Ingenieuren sowie Experten aus kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region hat es gemeinsam entworfen und vor der industriegeschichtlichen Kulisse auf dem 330 Hektar großen See errichtet.
Die Management des Projekts namens „autartec“, an dem sich rund ein Dutzend Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft beteiligten, lag in den Händen von Forschern in einem Team um Matthias Klingner, dem Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden. Finanziert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).





