von NIKOLAUS FECHT
Ohne ihn hätten die Wissenschaftler keine Möglichkeit, die Zeit mit einer solchen Präzision zu messen, wie es heute mithilfe sogenannter optischer Uhren gelingt. Der „Frequenzkamm“, den der Physiknobelpreisträger Theodor Hänsch am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in München entwickelt hat, brachte zum ersten Mal Ordnung in das Lichtspektrum extrem stabiler Laser. Damit ließ sich Licht ebenso exakt vermessen wie etwa Radiowellen – und das machte optische Atomuhren praktikabel: Chronometer, die den Verlauf der Zeit anhand der Schwingungen elektromagnetischer Wellen wie Licht bestimmen.
Zwei Jahrzehnte nach der Verleihung des Nobelpreises an Theodor Hänsch 2005 steht diese Technik vor dem nächsten bedeutsamen Schritt: Sie wandert heraus aus dem Forschungskeller und hinein in den praktischen Alltag. Die optische Atomuhr wird transportabel. Kompakte Systeme sollen nicht nur die genaue Messung der Zeit revolutionieren, sondern auch Anwendungen wie Navigation, Telekommunikation und physikalische Grundlagenforschung.
Vom monströsen Apparat zum Türmchen
Lange Zeit waren optische Atomuhren sperrige, hochempfindliche Spezialgeräte – errichtet auf luftgelagerten optischen Tischen, meist viele Meter lang und bestehend aus speziellen, sogenannten freistrahlgeführten Lasern, massiver Vakuumtechnik und aufwendiger Regelungselektronik. Solche Systeme beanspruchten bis zu acht Quadratmeter Fläche und benötigten zusätzlich eine separate Apparatur, um ein Vakuum zu erzeugen und ständig aufrechtzuerhalten. Sie galten als eine Domäne von nationalen Metrologie-Instituten. Doch jetzt wandert die Technik in die Praxis – und schrumpft deutlich.
Bei der Firma Toptica Photonics im oberbayerischen Gräfelfing schufen Entwickler eine kompakte Ausführung, die in zwei Standard-19-Zoll-Racks untergebracht ist – nur rund 50 Zentimetern breiten Gestellen. Diese „Türme“ sind etwa zwei Meter hoch und integrieren sämtliche Kernkomponenten: ultrastabile Laser, Ionenfallen, Frequenzkämme und die komplette Elektronik zur Steuerung des Geräts. Die „Topticlock“ ging aus der Forschung in einem Gemeinschaftsprojekt hervor, an dem unter anderem auch die École Normale Supérieure (ENS) in Paris sowie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig beteiligt waren.
„Unser Ziel ist ein System, das sich mitnehmen lässt und autonom arbeitet“, sagt Tanja Mehlstäubler, Gruppenleiterin für Nanophotonik an der PTB und Professorin für Quantenoptik an der Universität Hannover. Diese Uhr kombiniert eine Ionenfalle – ein Gerät, in dem sich mithilfe elektrischer Felder einzelne Atome oder Moleküle einfangen lassen – mit einem ultrastabilen optischen Resonator. Dieser dient als Referenz zur Vorabstabilisierung des sogenannten Uhrenlasers. Das macht den Laser schmalbandiger – das heißt: Sein Licht umfasst nur ein sehr enges Farbspektrum an optischen Frequenzen, mit einer Linienbreite von lediglich wenigen Hertz. Danach wird der Laser auf einen bestimmten atomaren Übergang in einem Ytterbium-Ion abgestimmt und dient damit als Taktgeber der Uhr.





