Ein britisches Wissenschaftlerteam der Universität von Sussex in Brighton hat das Radio neu erfunden. Die Forscher haben dazu allerdings nicht den Schaltplan eines herkömmlichen Radioempfängers nachgebaut, vielmehr verdrahtete ein genetischer Computeralgorithmus Transistoren auf einer Elektronikplatte von selbst zu einem Radio. Dies stellt einen großen Erfolg für die sich erst im Anfangsstadium befindliche Disziplin der selbstorganisierten Elektronik dar. Darüber berichtet das Magazin New Scientist.
Ausgangspunkt des Experiments von Paul Layzell und Jon Bird war eine Elektronikplatte, die mit zehn Transistoren sowie einigen Schaltern versehen war. Ein Computerprogramm sollte nun die Transistoren mit Hilfe der Schalter automatisch so verdrahten, dass die Anordnung eine elektrische Sinusschwingung erzeugt. Die Schalter können in dieser Anordnung gewissermaßen als “Gene? angesehen werden, die entweder aktiviert oder deaktiviert werden können.
Das Computerprogramm lief nun mehrere tausend Mal ab und erzeugte so viele unterschiedliche elektronische Schaltkreise. Ein genetischer Algorithmus sollte dabei sicherstellen, dass die Anordnungen dem gewünschten Ziel ? der Herstellung eines Oszillators ? in einem der natürlichen Evolution verwandten Verfahren näher kommen würden. Dazu wurden Schaltkreise, deren Ausgangssignal besser oszillierte, mit einem “Vorteilsfaktor? versehen.
Das Computerprogramm war so in der Tat in der Lage, einen Oszillator für eine Sinusschwingung zu erzeugen. Zur großen Überraschung der Forscher erzeugte der fertige Schaltkreis allerdings diese Schwingung nicht selbst ? er empfing vielmehr eine elektrische Schwingung eines sich in der Nähe befindlichen Computers und gab diese wieder. Der Schaltkreis hatte so gewissermaßen betrogen und sich spontan in einen Radioempfänger verwandelt. Als Antenne diente dabei die elektrische Grundplatte.
Die Forscher glauben, dass eine spontane Mutation eines Schalter-“Gens? zu dem Radioempfang geführt hat. Die genaueren Zusammenhänge dieses überraschenden Ausgangs liegen allerdings noch im Dunkeln.
Stefan Maier





