In der Uranerzmine Oklo war im Jahr 1972 Uran mit einem ungewöhnlich geringen Anteil an spaltbarem Material entdeckt worden. Eine geochemische Analyse ergab, dass dort vor 1,8 Milliarden Jahren “von selbst” eine Kernreaktion in Gang geraten war. Da die Feinstrukturkonstante in den Gleichungen der Kernphysik eine wichtige Rolle spielt, konnte man schließen, dass sie sich in den letzten 1,8 Milliarden Jahren um nicht mehr als 0,01 Tausendstel Prozent geändert haben kann. Das entspricht einer Änderungsrate von etwa einem Zwanzigstel Billiardstel pro Jahr.
Eine Analyse des Lichts von Quasaren, das vor 11 Milliarden Jahren Staubwolken durchdrang, hatte dagegen ergeben, dass die Feinstrukturkonstante sich seitdem um sieben Millionstel geändert haben muss. Das entspricht einer jährlichen Änderungsrate von sieben Billiardsteln und liegt somit etwa eine Größenordnung über der neuen Obergrenze.
Eine Änderung der Feinstrukturkonstanten würde dem Äquivalenzprinzip aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie widersprechen. Dagegen verlangen einige Varianten der Stringtheorie die Nicht-Konstanz dieser Zahl. Die Stringtheorien versuchen, die Allgemeine Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik in Einklang zu bringen.
Wie sich der Widerspruch um die Änderungsrate der Feinstrukturkonstanten auch auflösen wird, die Lösung wird mindestens eine physikalische Theorie zu Fall bringen und vielleicht das Schicksal der Atome in unserem Universum besiegeln.
Die beiden Forschergruppen haben ihre Ergebnisse in den Physical Review Letters (PRL) veröffentlicht, die französische Gruppe in PRL 90, 150801, die amerikanische in PRL 90, 150802.





