Drehen statt Wackeln - wissenschaft.de
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Drehen statt Wackeln

Ein vierbeiniger Tisch auf unebenem Terrain muss nicht wackeln, sondern kann durch Drehung immer zum festen Stand gebracht werden. Das hat der Schweizer Physiker André Martin vom CERN mathematisch bewiesen. Seine Berechnungen stellte er an, nachdem er sich jahrelang über die wackligen Tische auf der Terrasse des Forschungszentrums geärgert hatte.

Das Problem ist allgegenwärtig: Vierbeinige Tische in Cafes neigen zum Wackeln und schon ein leichter Anstoß genügt, um den Cappuccino gleichmäßig über die Untertasse zu verteilen. Darüber hat sich auch André Martin täglich geärgert und seine Kollegen erstaunt, indem er durch Drehung des Tisches immer eine stabile Position fand. Bereits vor zehn Jahren hat er sich daran gemacht, das Phänomen mathematisch zu beweisen, doch erst jetzt ist er zu hieb- und stichfesten Formulierungen gelangt, die zur Veröffentlichung taugen.

Für seine Beweisführung hat der Physiker einige Vereinfachungen des Problems vorgenommen: So hat er seine Berechnungen auf quadratische Tische beschränkt, deren vier Eckbeine den Boden jeweils an nur einem Punkt berühren. Auch der Boden ist nur leicht gewellt und hat zwischen zwei Punkten eine maximale Steigung von 15 Grad. „Verglichen mit der Natur ist das glatt“, gibt Martin zu. Doch ein holperiger Rasen oder eine unebene Betonfläche sollten vergleichbare Eigenschaften aufweisen, fügt er hinzu.

Im Fall des quadratischen Tisches auf dem nicht zu holperigen Boden ist dem Physiker der Beweis gelungen, dass es immer einen stabilen Zustand gibt, in dem alle vier Beine den Boden berühren. Die Tischoberfläche muss dabei zwar nicht immer ganz horizontal dastehen, doch das Gefälle würde in keinem Fall groß sein und sollte den Cappuccino in der Tasse halten. Ob die Beweisführung allerdings auf die Terrasse des CERN-Forschungszentrums zutrifft, bezweifelt Martin: „Das Problem mit der Terrasse ist, dass es dort sowohl Gras als auch Pflastersteine gibt.“

André Martin (Europäische Forschungsorganisation für Kernphysik CERN, Genf): Onlinedienst des Fachmagazins Nature ddp/wissenschaft.de ? Christina Schallenberg
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