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Technik+Digitales

Fotografie gestern und heute: Sterben gedruckte Fotos bald aus?

Symbolbild Fotografie
Sind ausgedruckte Fotos auch heute noch zeitgemäß? (Bild: unsplash.com, Joana Kosinska)

Die Fotografie ist in einem der größten Umbrüche aller Zeiten. Grund hierfür ist die fortschreitende Digitalisierung von Spiegelreflexkameras und die Verbreitung von Smartphones. Es ist möglich jederzeit und an jedem Ort ein Foto zu schießen. Dabei ermöglichen es die Handys von heute sogar richtig professionelle Schnappschüsse zu machen. Doch was passiert mit den Fotos selbst? Sie verschwinden zumeist in den Untiefen der Speicherkarten und Festplatten der Smartphones. Werden Fotos möglicherweise bald gar nicht mehr gedruckt? Wie sah es früher aus und wie wird sich das Foto als Ausdruck in Zukunft entwickeln?

Fotografie in den Kinderschuhen

Der 19. August 1839  war ein historischer Tag für die Fotografie. Ohne ihn wäre die Medienlandschaft heute nicht das, was sie ist. Es ist der Tag, an dem Joseph Nicéphore Niépce die Dauerreotypie vorstellte. Ein Verfahren, mit dem er Fotos mit einer Camera Obscura festhalten konnte. Dabei wird eine versilberte Kupferplatte, die mit Jod bedampft wurde, 20 Sekunden belichtet. Im Anschluss wird die Platte in einer Dunkelkammer mit Quecksilberdämpfen entwickelt und mit einer Zyankali-Lösung fixiert.

Dabei muss man wohl nicht erwähnen, dass die Sterberate unter den damaligen Fotografen, die diese Technik verwendeten relativ hoch war. Die Fotografie für die Masse sollte wohl noch ein paar Jahre auf sich warten lassen. Daneben entwickelten sich noch andere Fototechniken, wie beispielsweise die Kalotypie, aus dem sich die heutige Fotografie mit Filmen entwickelt hat.

Fotos als Statussymbol

Im Laufe der 1840er Jahre wurde das Fotografieren immer kommerzieller. Diverse Fotostudios eröffneten und die Menschen reisten von nah und fern an, um sich ablichten zu lassen. Wer ein Foto von sich oder seiner Familie schießen ließ, war angesagt. Dementsprechend teuer, waren die Fotos. Im Vergleich zur heutigen Fotografie war das einzelne Bild wertvoll, ein wahres Event und etwas das man in Ehren halten sollte.

Vor allem, wenn man bedenkt, was das Fotografieren selbst für eine Tortur für die Modelle war. Minutenlang mussten sie die Augen offenhalten und mussten in ihren Posen gestützt werden. Allerdings entwickelte sich die Technik rasch weiter. Größere Objektive sowie künstliches Licht machten das Fotografieren leichter für alle Beteiligten.

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© YouTube.com, Einfach Geschichte

Industrialisierung der Fotografie

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen tragbare Kameramodelle auf den Markt, die einen Rollfilm verwendeten. Wer sich eine Kamera leisten konnte, war in der Lage nun überall Fotos zu schießen. Der Preis für ein solches Gerät lag damals bei rund 25 Dollar, was heute mehr als 700 Dollar entsprechen würde. Hinzu kommt noch der Entwicklungsdienst, der pro Rollfilm rund 10 Dollar kostete. Fotografie um die Jahrhundertwende war also eher den Reichen vorbehalten. Gedruckte Fotos waren quasi Gold wert.

Bilder für die breite Masse

Nach und nach wurde die Fotografie jedoch massentauglich. Die Geräte entwickelten sich weiter, wurden kleiner günstiger und irgendwann für eine breite Masse zugänglich. Allerdings wurden die Fotos dennoch noch sehr bedacht geschossen. Es war eine Art Erinnerungskultur. Der Fotoapparat kam bei besonderen Gelegenheiten zum Vorschein, die das Privatleben dokumentieren sollten. Die Fotos selbst wurden in Alben aufbewahrt und archiviert.

Anfang der 70er Jahre wurden Sofortbildkameras sehr beliebt. Zwischen dem Schießen des Fotos und der Entwicklung lagen lediglich Minuten. Das Ergebnis war quasi direkt sichtbar. Möglicherweise war das einer der ersten großen Schritte in Richtung der Entwertung von Fotos.

Digitalkameras: Fotos verlieren an Wert?

In den 90er Jahren brachten Firmen, wie Casio und Canon, die ersten Digitalkameras auf den Markt. Dadurch war es möglich Fotos direkt nach dem schießen zu betrachten und bei Nichtgefallen direkt zu löschen. Bilder, die gefallen werden auf dem Computer gespeichert und das Ausdrucken selbst ist optional. Mit dieser Technik ist es möglich so viele Bilder zu machen, wie man möchte. Das Foto wird zur Massenware und wird entwertet.

Gleiches gilt im Übrigen für die heutige Fotografie mit Smartphones. Es werden schier unendlich viele Fotos pro Tag gemacht. Die meisten davon werden wieder gelöscht oder verschwinden im Smartphone-Speicher. Ein weiterer Teil wird in den sozialen Medien hochgeladen. Nur die wenigsten Fotos werden ausgedruckt.

Fotos selber drucken

Nach der Einführung von Digitalkameras und der Handyfotografie hat sich jedoch noch ein anderer Markt aufgetan. Der Fotodruck. Dadurch können Fotos wieder an Wert gewinnen und werden zur willkommenen Abwechslung, denn Fotos lassen sich mittlerweile nicht mehr nur auf Papier drucken, sondern auf verschiedene Materialien.

Fotos auf Leinwand sind mittlerweile sehr beliebt. Aber auch andere Stoffe, wie Aluminiumplatten können zum Fototräger werden. Dabei wird das Motiv direkt auf sogenannte Alu-Dibond-Platten gedruckt. Die bestehen aus zwei dünnen Aluminiumplatten, die einen Kunststoffkern umschließen. Das macht sie sehr witterungsbeständig. Sie eignen sich zudem bestens als Blickfang in der Wohnung.

Gedruckte Fotos werden wohl niemals aussterben. Noch immer haben sie einen besonderen Stellenwert. Nur ganz besondere Fotos schaffen es als Ausdruck an die Wand oder in ein analoges Fotoalbum. So werden gedruckten Bilder zwar die Ausnahme bleiben, allerdings dennoch einen hohen Stellenwert bei den Menschen haben. Sie können als eine Art Ausdruck der Persönlichkeit gelten, um sich selbst zu entfalten.

Soziale Medien: Fotos als Momentaufnahme

Etwas anders sieht es jedoch in den sozialen Medien aus. Allein bei Facebook werden pro Sekunde rund 3000  Fotos hochgeladen. Die Bilder dienen mehr als eine Art Momentaufnahme, denn es gibt nur ein kurzes Zeitfenster, in denen sie aktiv wahrgenommen werden können. Anschließend verlieren sie sich im Feed. Das Portal Snapchat geht sogar noch einen Schritt weiter. Hier werden Fotos hochgeladen und sind nur kurze Zeit sichtbar und gespeichert, bevor sie wieder gelöscht werden.

Digitale Fotos haben also nur eine sehr kurze Halbwertzeit für einen potentiell großes Publikum, während ausgedruckte Fotos nur ein kleines Publikum erreichen und dafür aber von diesem länger und intensiver wahrgenommen werden.

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