von MICHAEL VOGEL
An die Vorweihnachtszeit 2018 erinnern sich viele Beschäftigte am Londoner Flughafen Gatwick mit Kopfschütteln. 33 Stunden lang war der Flugbetrieb fast lahmgelegt, weil man Drohnen über dem Rollfeld gesichtet hatte. Viele Flüge fielen aus.
Es blieb nicht die einzige Drohnensichtung in Gatwick. Und Gatwick ist nicht der einzige Flughafen, der große Probleme mit Drohnen hat. Auch an jedem deutschen Flughafen kam es in den letzten Jahren zu mehreren Vorfällen. Allein in diesem Jahr wurde der Verkehr am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen bei zwei Zwischenfällen im Februar und März für jeweils vier Stunden beeinträchtigt, zum Teil konnte kein einziger Flieger mehr starten oder landen.
Oft hatte jemand seine Drohne nur versehentlich in den unerlaubten Bereich gelenkt. Doch es gibt auch immer wieder Leute, die nach einem besonderen „Kick“ suchen, und Aktivisten, die den Flugverkehr gezielt stören wollen.
Und es geht nicht nur um Flughäfen: In der Privatwirtschaft gibt es Befürchtungen, dass Drohnen zur Industriespionage eingesetzt werden. Festival-Veranstalter rechnen mit einem Anschlag aus der Luft – und der könnte auch Kernkraftwerken drohen. Weltweit befassen sich daher Sicherheitsbehörden mit der Frage, wie sich Drohnen wirkungsvoll erkennen und fernhalten lassen.
Zwei Hände groß – und blitzschnell
Die Deutsche Flugsicherung arbeitet an einem Konzept, wie sich Drohnen an Flughäfen systematisch aufspüren lassen. Und die Fraunhofer-Gesellschaft hat seit 2017 in vier Projekten Möglichkeiten erforscht, um Drohnen zu detektieren und abzuwehren. Die letzten beiden Forschungsprojekte wurden im Juli 2020 abgeschlossen. „Dabei ging es um die Abwehr von Drohnen, die etwa dem Hobbybereich zuzuordnen sind, nicht um Schwerlast- oder militärische Drohnen“, präzisiert Hans Peter Stuch, einer der beteiligten Wissenschaftler. Er arbeitet am Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) in Wachtberg bei Bonn. Besonders gefährlich sind Drohnen aus Styropor, denn sie haben aufgrund ihres geringen Gewichts eine sehr große Reichweite. Problematisch für die Sicherheit sind zudem sogenannte Race Copter: Sie sind nur zwei Hände groß, aber 150 Kilometer pro Stunde schnell.
„In den vier Projekten haben wir gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Industrie und von Sicherheitsbehörden verschiedene Detektionsverfahren untersucht“, berichtet Stuch. „Und es stand die gesamte Kette von der Detektion einer Drohne über die Aufbereitung der Daten und die Darstellung der Informationen bis zu möglichen Gegenmaßnahmen im Fokus.“ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat nun die Polizei beauftragt, anhand der Ergebnisse die aussichtsreichsten Technologien ausfindig zu machen.





