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Technik+Digitales

Reisen auf Reis

Reisabfall könnte ein wichtiger Grundstoff der Straßenbeläge von morgen sein: Eine Mischung aus Reiskleie ? der dünnen Schicht, die das Reiskorn von seiner Hülle trennt ? und Kunststoffharzen könnte herkömmlichen Asphalt leiser, elastischer und wesentlich stabiler machen. Das schreiben Wissenschaftler einer japanischen Firma in der Fachzeitschrift Chemistry & Industry (Ausgabe vom 19. Januar).

Normalerweise wird Reiskleie höchstens zum Auffüllen von Mülldeponien oder als Viehfutter verwendet. Wird sie jedoch zusammen mit Kunststoffen wie beispielsweise Epoxidharzen erhitzt, bildet sich eine sehr feste, körnige Substanz. Diese Kleiekeramik, wie die Entwicklerfirma Minebea aus Nagano das Material nennt, ist leicht, nahezu abriebfrei und porös. Diese Eigenschaften machen sie ideal für den Einsatz auf der Straße: Herkömmlichem Asphalt zugesetzt, verbessert die Kleiekeramik nicht nur die Haltbarkeit eines Straßenbelags, sondern macht ihn auch bis zu 25 Prozent leiser.

Der neue Werkstoff ist auch bei der Wetterbeständigkeit konventionellen Materialien überlegen. Da sich die Kleiekeramik auch bei extremen Temperaturschwankungen praktisch nicht ausdehnt oder zusammenzieht, ist das Risiko für Risse im Belag nur sehr gering. Auch Aquaplaning könnte beim Einsatz des neuen Materials der Vergangenheit angehören, da sich Wasser auf dem porösen Oberfläche nicht sammelt. Geringfügige Veränderungen in der Zusammensetzung der Keramik könnten den Baustoff sogar elektrisch leitend machen und würden die Straße dadurch in einen großen Sensor verwandeln. So wäre eine computergesteuerte Überwachung des Verkehrs und ein flexibles und genaues Verkehrsleitsystem denkbar, schreiben die Froscher.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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