Stradivaris Chemiebaukasten - wissenschaft.de
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Stradivaris Chemiebaukasten

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Stradivaris Geigen, hier eine Violine im Palacio Real in Madrid, gehören zu den besten der Welt.
Der herausragende Klang einer Stradivari hängt wohl auch mit der Vorbehandlung des Holzes mit aggressiven Chemikalien zusammen: In Holzproben von Geigen des Baumeisters Antonio Stradivari und seines Kollegen Giuseppe Guarneri fanden der US-Biochemiker Joseph Nagyvary und seine Kollegen Hinweise auf Borax und andere Substanzen als Bearbeitungs- und Imprägniermittel. Mit dem auch heute noch in Desinfektions- und Putzmitteln enthaltenen Borax wollten die Instrumentenbauer Holzwürmer und Insekten vom Holz fernhalten, glauben die Forscher.

Die Wissenschaftler mussten zunächst das Kunststück fertigbringen, eine Holzprobe von einer Stradivari zu organisieren. Rund 600 der kostbaren Geigen sind noch bei Musikern und meist unbekannten Sammlern vorhanden. Der Stückpreis wird in Millionen von Euro gerechnet. Schließlich erhielten die Forscher jedoch mehrere Quadratzentimeter große Ahornholzschnitze, die bei Reparaturarbeiten einiger Streichinstrumente angefallen waren. Sie verglichen die Häufigkeit der chemischen Elemente im Holz einer Stradivari-Geige, eines Stradivari-Cellos und zweier Geigen von Stradivaris Zeitgenossen Giuseppe Guarneri mit unbehandeltem Holz, das Instrumentenbauer heute für Streichinstrumente nutzen.

Im Holz der Instrumente von Stradivari und Guarneri fanden die Forscher Borax und andere Substanzen wie Fluoride, Chrom und Eisensalze, die in unbehandelten Hölzern nicht auftreten. Die Geigen müssen daher einer harschen chemischen Behandlung ausgesetzt gewesen sein, folgert Nagyvary. Vermutlich hatten Stradivari und seine Kollegen die Hölzer in Boraxlösung und andere Chemikalien eingelegt, vielleicht sogar darin gekocht. Alternativ könnten die Instrumentenbauer die Substanzen auch als Imprägniermittel von außen aufgestrichen haben.

Nagyvary geht soweit, diese chemische Holzbehandlung als entscheidend für den Klang einer Stradivari anzusehen. Geometrie und Konstruktion, die Beschaffenheit des Firnis, der Wuchs des Holzes oder bestimmte Schimmelpilze im Holz, die von anderen Forscher favorisiert werden, spielen ihm zufolge nur eine geringe Rolle. Für die heutigen Geigenbauer gäben seine Forschungsergebnisse interessante Hinweise für Materialvorbereitung und -verarbeitung, erklärt der Forscher. Nagyvary spielt selbst Geige und hat auf einer Stradivari gelernt, die sich einst im Besitz von Albert Einstein befand. Neben seiner Forschung führt er ein Unternehmen, das Streichinstrumente baut, die in ihrem Klangprofil einer Stradivari möglichst nahekommen sollen.

Joseph Nagyvary (Texas A&M University, College Station) et al.: PLoS One, Bd. 4, Nr. 1, Artikel e4245 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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