Sunblocker aus der Natur - wissenschaft.de
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Sunblocker aus der Natur

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Die Haftwurzeln des Efeus bergen viele Geheimnisse, möglicherweise auch das für bessere Sonnencremes.
In den feinen Haftwurzeln des Efeus liegt möglicherweise der Schlüssel zu verbesserten Sonnenschutzmitteln. Zu diesem Schluss sind US-Forscher gekommen, nachdem sie die Haftorgane genauer unter die Lupe genommen hatten, mit deren Hilfe sich die Kletterpflanze an Bäumen und Wänden festhalten kann. Die Wissenschaftler entdeckten im von der Pflanze produzierten Klebstoff Nanopartikel, die UV-Licht bis zu vier Mal so gut abhalten könnten wie die bisher häufig eingesetzten Metalloxidnanopartikel. In ersten Laborversuchen mit Säugetierzellen wurden die Efeu-Nanopartikel gut vertragen. Zudem dringen sie nur schwer in die Haut ein und sind leicht biologisch abbaubar.

Viele Sonnenschutzmittel beinhalten mineralische Nanopartikel, beispielsweise aus Titandioxid oder Zinkoxid, die UV-Strahlen reflektieren und somit Sonnenbrand vorbeugen. Die winzigen Metalloxidteilchen sind allerdings ob ihrer gesundheitlichen Unbedenklichkeit umstritten. Zudem haben sie in Sonnencremes den Nachteil, dass sie einen weißen Film auf der Haut hinterlassen, der von vielen Verbrauchern als störend empfunden wird. Die Nanopartikel aus den Efeuhaftwurzeln hinterlassen hingegen nach Angaben der Forscher keine Spuren. Aufgrund ihrer sehr guten Hafteigenschaften würden sie zudem auch ein Bad im Meer überstehen, wodurch häufiges Nachcremen entfallen würde.

Efeu ist eine mehrjährige, giftige Kletterpflanze, die eigentlich Plätze im Schatten oder zumindest außerhalb der prallen Sonne bevorzugt. Wenn die zarten Triebspitzen jedoch mit Hilfe kleiner Haftwurzeln einen Baum oder eine Mauer erklimmen, sind sie dennoch oft intensiver Strahlung ausgesetzt. Wie schafft es die Pflanze dabei, einen Sonnenbrand zu vermeiden? Diese Frage hat bereits einige Wissenschaftler zu der Überlegung geführt, in Halbschatten- oder Schattenpflanzen nach Substanzen zu suchen, die als Sonnenschutzmittel Verwendung finden könnten.

Mingjun Zhang von der University of Tennessee in Knoxville und sein Team nahmen sich dabei den Efeu vor, genauer die feinen Haftorganellen des Gewächses. Diese sondern ein Sekret ab, das wie ein Superkleber wirkt und es der bis zu 20 Meter groß werdenden Kletterpflanze ermöglicht, ein enormes Gewicht zu tragen. Bereits im Jahr 2008 hatten Zhang und seine Kollegen herausgefunden, dass dieses Sekret aus einer Vielzahl winziger Nanopartikel besteht. Eben diese dienen der Pflanze offensichtlich auch als Sonnenschutz. „Die Efeu-Nanopartikel sind einheitlicher als die metallbasierten Nanoteilchen. Ihre einzigartigen Materialeigenschaften könnten helfen, die Lichtabsorption und -streuung zu verbessern“, sagt Zhang. Somit seien sie besser als Sunblocker geeignet als die mineralischen Nanopartikel.

Pressemitteilung der University of Tennessee in Knoxville Mingjun Zhang (University of Tennessee, Knoxville) et al.: Nano Letters, Bd. 8, Nr. 5, S. 1277, doi: 10.1021/nl0725704 ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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