von CHRISTIAN BERNHART
Roboter, die sich selbstständig fortbewegen und einfache Arbeiten erledigen, haben längst den Alltag erobert. Sie saugen Staub oder mähen den Rasen. Allerdings: Ihre autonomen Fähigkeiten erreichen bislang nur ein bescheidenes Niveau. Steht ihnen ein Hindernis im Weg, machen die auf Rädern rollenden Roboter kehrt oder stoppen und warten, bis sie ein menschlicher Handgriff wieder auf freie Bahn bringt.
Weitaus eigenständiger agiert Anymal – ein auf vier Beinen gehender Inspektionsroboter, den Forscher und Ingenieure an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und dem daraus ausgegründeten Start-up-Unternehmen Anybotics entwickelt haben. Wie auch bei einigen anderen Laufrobotern (siehe den folgenden Beitrag „Der Lauf der Natur“) stand dabei ein Tier Pate: diesmal ein Hund, dessen Gang der Automat nachahmt. Damit kommt der rund 50 Kilogramm schwere vierbeinige Roboter nicht nur auf Straßen, Fußwegen und gepflasterten Plätzen zurecht. Er kraxelt auch sicheren Fußes über Geröll, stapft durch sumpfiges Gelände, durchdringt Gebüsch und macht selbst vor hohen Treppenstufen nicht halt.
Einsatz in Gefahrenzonen
Diese Wendigkeit kommt Anymal beispielsweise beim Inspizieren von Baustellen oder Fabrikanlagen zugute. Dazu nutzt er Foto- und Wärmebildkameras. Die Bilddaten kann der laufende Roboter eigenständig analysieren und die Ergebnisse dann an die Zentrale schicken. Zum Einsatz kommt er vor allem dort, wo für Menschen beschwerliche oder riskante Arbeiten zu erledigen sind – etwa beim Inspizieren von Rädern, Bremsen und Achsen unter Schienenfahrzeugen, an explosiven Orten oder in einsturzgefährdeten Schächten im Bergbau. Auch auf Offshore-Anlagen wie Öl-Plattformen und Windkraftanlagen über dem offenen Meer lässt sich der wendige Vierbeiner einsetzen.
Doch die größte Herausforderung bei der Entwicklung war für die Forscher aus Zürich nicht die Fortbewegung auf vier Beinen, sondern die Fähigkeit, sich stets sicher zu orientieren. Dass Anymal in unwegsamem Terrain besser als andere Laufroboter zurechtkommt, stellte er im Oktober 2021 unter Beweis: bei einem Wettbewerb, den die Forschungsagentur des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums DARPA ausgerichtet hatte. Die Aufgabe lautete, etliche Hindernisse sicher zu überwinden und sich auf einem komplexen Parcours zurechtzufinden. Acht Roboter aus aller Welt traten bei dem Wettstreit gegeneinander an. Als Sieger ging der künstliche Hund aus Zürich vom Platz – und bescherte seinem Team damit ein Preisgeld von zwei Millionen Dollar.
Die Hardware, mit der die Ingenieure vom Institut für Robotik und Intelligente Systeme (IRIS) der ETH Zürich den maschinellen Pfadfinder ausgestattet haben, besteht im Kern aus Lasersensoren und Stereokameras. Sie sind rundherum an dem Roboter angebracht. Damit kann er seine Umgebungsstruktur und aktuelle Position exakt ermitteln. „Die Messdaten werden zu einer dreidimensionalen Karte zusammengeführt, die sich für die autonome Navigation des Roboters nutzen lässt“, erklärt Marco Hutter, Leiter des Robotic Systems Lab am IRIS.





