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Von Kugel- und Geistes-Blitzen

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Schon im 19. Jahrhundert gab es Berichte über Kugelblitze.
Die rätselhaften Kugelblitze ? extrem seltene runde Leuchterscheinungen, die bei Gewittern beobachtet werden ? sind möglicherweise gar keine physikalischen Phänomene, sondern Fehlschaltungen im Gehirn. Zu diesem Schluss kommen zwei Innsbrucker Physiker, nachdem sie untersucht haben, welche elektromagnetischen Felder während eines Gewitters entstehen. Ihre These: Vor allem lange Blitzentladungen erzeugen Magnetfelder, wie sie auch die Medizin zur Anregung des Gehirns einsetzt. Wird bei einem Beobachter im Einflussbereich eines solchen Magnetfeldes nun zufällig das Sehzentrum stimuliert, kann der Eindruck entstehen, er würde leuchtende Figuren sehen ? wie eben einen Kugelblitz. Zumindest in manchen Fällen könnte dieser Effekt die ungewöhnlichen Erscheinungen erklären.

Trotz vieler Augenzeugenberichte gibt es bis heute keine allgemeingültige physikalische Erklärung, wie ein Kugelblitz zustande kommt. Auch der Versuch, die schwebenden Leuchtkugeln im Labor künstlich zu erzeugen, scheiterte bisher größtenteils – die entstehenden Feuerbälle waren beispielsweise zu kurzlebig, als dass es sich um die beschriebenen Phänomene hätte handeln können. Doch was, wenn zumindest manche Kugelblitze gar keine echten Feuerbälle sind, sondern eine Art optische Täuschung?

Diese Frage beschäftigte auch Josef Peer und Alexander Kendl. Sie fühlten sich durch die Beschreibungen des Phänomens an sogenannte Magnetophosphene erinnert – Lichtwahrnehmungen, die nicht durch optische, sondern durch magnetische Stimulationen von Sehnerv oder Sehzentrum im Gehirn entstehen. Sie treten unter anderem bei der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) auf, einer Methode, die in der Medizin unter anderem zur Untersuchung von Wahrnehmungsphänomenen eingesetzt wird und bei der im Gehirn durch von außen angelegte pulsierende Magnetfelder elektrische Felder erzeugt werden. Diese stimulieren wiederum bestimmte Hirnbereiche und können so die Illusion hervorrufen, Geräusche, Gerüche oder eben auch leuchtende Figuren seien real vorhanden.

Tatsächlich gehen bestimmte Blitzvarianten mit Magnetfeldern einher, die sehr ähnliche Eigenschaften haben, wie die bei der TMS verwendeten, berechneten die Wissenschaftler. Blitze mit wiederholten Entladungen, die über mehrere Sekunden die stimulierenden Magnetfelder erzeugen, seien wie die Kugelblitz-Beobachtungen eher selten und träten nur in einem von hundert Fällen auf, erläutert Kendl. „Einem Beobachter, der sich im Abstand von wenigen hundert Metern von einem langen Blitzeinschlag entfernt befindet, kann ein magnetisches Phosphen in Form eines hellen Lichtflecks für einige Sekunden erscheinen“, ist sich der Forscher sicher. Und noch etwas spricht seiner Ansicht nach für diese Theorie: ihre Einfachheit. „Im Gegensatz zu anderen Theorien, die schwebende Feuerkugeln beschreiben, sind hier keine neuen und weiteren Annahmen nötig“, betont er.

Josef Peer, Alexander Kendl (Universität Innsbruck): Veröffentlichung im Online-Archiv arXiv.org ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
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