Warum fördern Kunstfasern Schweißgeruch? - wissenschaft.de
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Warum fördern Kunstfasern Schweißgeruch?

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Auch das Material der Kleidung spielt beim Schweißgeruch eine Rolle. (Foto: stock_colors/iStock)
Bei Hitze oder intensivem Sport… Wer schwitzt, fängt bekanntlich irgendwann an zu miefen. Polyester-Klamotten wird in diesem Zusammenhang ein verschlimmernder Effekt nachgesagt: In den Kunstfasern riecht man schneller und intensiver nach Schweiß als in Baumwolle, heißt es. Aber ist das denn wirklich so und wenn ja, warum? Auf dieses Thema hat uns Natalie H. aufmerksam gemacht. Vielen Dank dafür!

Genau diesen Fragen sind Forscher um Chris Callewaert von der belgischen Universität Ghent in einer Studie nachgegangen. Sie konnten durch Schnüffeltests bestätigen, dass verschwitzte Polyester-Klamotten tatsächlich intensiver nach Schweiß riechen. Außerdem haben sie aufgezeigt, was hinter dem geruchlichen Unterschied zu Naturfasern steckt. Polyesterfasern sind demnach eine vergleichsweise günstige Heimat für die eigentlichen Stinker – spezielle Bakterienarten. Denn klar ist: Genaugenommen sind wir gar nicht selbst für den Schweißgeruch verantwortlich. Frischer Schweiß ist nämlich geruchlos – erst durch die bakterielle Umsetzung von Substanzen im Schweiß entstehen die berüchtigten flüchtigen Substanzen.

Für ihre Studie ließen die Forscher 26 Probanden eine Stunde lang intensiv auf Hometrainern strampeln. Ein Teil trug dabei ein Baumwoll- , der andere ein Polyester-Shirt. Nach der schweißtreibenden Betätigung sammelten die Wissenschaftler die Kleidungsstücke ein. Später wurden diese Proben dann Testpersonen zur „geruchlichen Verkostung“ überreicht.

Schnüffeltest mit Naserümpfen

Die Ergebnisse bestätigten den schlechten Ruf der Polyester-Klamotten: Die Kunstfaser-Shirts riefen beim Schnüffeltest deutlich mehr Naserümpfen hervor – ihr Geruch war intensiver und wurde von den Probanden deutlich unangenehmer eingestuft als der Geruch der Baumwoll-Shirts. Um den mikrobiellen Ursachen dieses Unterschiedes auf den Grund zu gehen, führten die Forscher molekularbiologische Untersuchungen von Proben der Textilien und den Achseln der Träger durch.

Die Analysen zeigten: In den verschwitzten Polyester-Textilien hatten sich vergleichsweise viele sogenannte Mikrokokkus-Bakterien entwickelt. Diese harmlosen Mikroben sind bereits als Stinker berüchtigt, sagen die Forscher. „Sie sind für den Abbau von langkettigen Fettsäuren, Hormonen und Aminosäuren in kleine, flüchtige Stink-Substanzen bekannt“, so Callewaert. Für die Geruchsentwicklung auf der Haut der Achseln sind hingegen sogenannte Corynebakterien verantwortlich. Sie wachsen aber den Ergebnissen zufolge nicht auf den Textilien.

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„Vermutlich liegt es an den Oberflächeneigenschaften der Fasern, warum Polyester den miefigen Mikrokokkus-Bakterien eine bessere Heimat bietet als Baumwolle“, sagt Callewaert. Letztlich macht also die landläufige Empfehlung durchaus Sinn, resümieren die Forscher: Wer zu Körpergeruch neigt, sollte Synthetik-Stoffe meiden.

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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