von ULRICH EBERL
Lange galt es als gesichertes Wissen: Wasserstoff ist zwar das häufigste chemische Element im Universum – Gasplaneten wie Jupiter und Saturn bestehen größtenteils daraus –, doch auf der Erde kommt Wasserstoff fast ausschließlich in gebundener Form vor. So ist Wasser aus Wasserstoff und Sauerstoff zusammengesetzt. Und im Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas, verbinden sich Wasserstoff und Kohlenstoff miteinander.
Unter einem erheblichen Energieeinsatz lässt sich Wasserstoff aus solchen Verbindungen herauslösen: etwa unter hohem Druck und starker Hitze als sogenannter „grauer“ Wasserstoff aus Erdgas – wobei große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid entstehen. Für eine klimaneutrale Zukunft entscheidend ist vor allem der „grüne“ Wasserstoff, der sich mithilfe von Solar- oder Windstrom im Prozess der Elektrolyse aus Wasser gewinnen lässt. Chemiker kennen darüber hinaus noch „braunen“ Wasserstoff aus Braunkohlevorkommen, „blauen“, wenn das bei der Erdgasreformierung entstehende Kohlendioxid unterirdisch verpresst wird, und einige andere „Farben“ dieses Gases.
Explosives Gas aus dem Brunnen
Doch was bisher wenig diskutiert wird, ist „weißer“ Wasserstoff. Denn den sollte es eigentlich kaum geben: reines Wasserstoffgas, das sich ähnlich wie Erdgas einfach aus der Erde fördern lässt. Allenfalls kannten Fachleute noch die skurrile Anekdote aus Mali, wo 1987 ein Wasserbrunnen gebohrt werden sollte, und das Bohrloch regelrecht explodierte, als sich ein Arbeiter mit einer brennenden Zigarette darüber beugte. Das Loch wurde schnell verschlossen und erst 2011 erneut geöffnet: Das Gas, so zeigten chemische Analysen, bestand zu 98 Prozent aus reinem Wasserstoff – der auch heute, 13 Jahre danach, immer noch herausströmt und das naheliegende Dorf mit klimafreundlicher Energie versorgt.
Seitdem wurden weitere erstaunliche Entdeckungen gemacht: Auch in einem Dutzend anderer Länder, darunter in Russland, Finnland, im Oman und den USA, wurde bei Bohrungen reines Wasserstoff-Gas gefunden. 2021 sahen sich Forscher in Westaustralien, rund 150 Kilometer nördlich der Stadt Perth, die dortigen „Feenkreise“ näher an: große natürliche elliptische Senken mit Durchmessern von mehreren hundert Metern. An ihren Rändern fanden die Wissenschaftler deutlich überhöhte Werte von Wasserstoff-Gas.
Sensationsfund in Folschviller
Doch ein sensationeller Fund gelang im Sommer 2023 mitten in Europa: in Nordfrankreich unter dem Ort Folschviller, weniger als zehn Kilometer vom Saarland entfernt. Die beiden Geologen Jacques Pironon und Philippe de Donato wollten im Auftrag der Universität von Lothringen und der französischen Forschungsorganisation CNRS erkunden, wie viel gasförmiges Methan noch im Boden dieser alten Kohleregion steckt. Dazu brachten sie eine neuartige Sonde in die vorhandenen Bohrlöcher, mit der sich im Wasser gelöste Gase direkt vor Ort herausfiltern und analysieren lassen.





