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Allgemein

Das Fazit

Es steht ohne jeden Zweifel fest, dass der wirtschaftende Mensch innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit große Mengen fossiler Brennstoffe genutzt hat, die sich zuvor aus Biomasse über insgesamt Hunderte von Millionen Jahren gebildet hatten. Dabei – wie auch bei der Umgestaltung der Vegetation auf der Erdoberfläche für verschiedene Landnutzungssysteme – wurden erhebliche Mengen von Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid, gebildet und in die Atmosphäre emittiert. Infolge dieser menschlichen Aktivitäten wurde der natürliche Treibhauseffekt anthropogen verstärkt. Damit ist der Mensch am aktuellen Prozess der globalen Erderwärmung, die in den letzten 130 Jahren um etwa 0,8 Grad Celsius zugenommen hat, beteiligt.

Schnittstelle Natur–Mensch

Richtig ist aber auch, dass unser Planet Erde im Laufe seiner Entwicklung immer wieder durch zum Teil drastische und auch abrupte Klimaveränderungen geprägt war, ohne dass der Mensch daran beteiligt gewesen wäre. Aus Sicht der Erdsystemforschung stellt das Klima eine Schnittstelle zahlreicher Subsysteme des komplexen Systems Erde dar. Zudem ist die Erde ein Planet und unterliegt deshalb wichtigen extraterrestrischen Einflüssen. Aufgrund ihrer Komplexität sowie ihrer nichtlinearen, rückgekoppelten Interaktionen sind die relevanten Wirkungsbeziehungen der Klimadynamik unserer Erde bislang nur lückenhaft verstanden. Es ist daher ebenfalls unwidersprochen, dass auch heute natürliche Faktoren an der aktuellen Klimaentwicklung ursächlich beteiligt sind. Aufgrund dieser Konstellation kann auch der Anteil, den der Mensch an dem sich aktuell vollziehenden Klimawandel hat, nicht exakt bestimmt werden.

Gleichwohl wurde die Treibhausgas-Konzentration in der Lufthülle um die Erde durch menschliche Aktivitäten erhöht, und mit diesem anthropogenen Einfluss sind ganz offensichtlich Risiken und mögliche Gefahren für die Menschen und die Zivilisation verbunden. Im Sinne des Vorsorgeprinzips ist es deshalb Aufgabe der Politik, dieses Risiko oder gar Gefahrenpotenzial so weit wie möglich zu minimieren. Damit sind Maßnahmen zur Reduktion der vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen gut begründet und zwingend notwendig.

Allerdings steht auch fest, dass derartige Maßnahmen nur wirkungsvoll greifen können, wenn sie global zur Umsetzung kommen. Trotz zahlreicher intensiver Bemühungen ist dieser internationale Abstimmungsprozess bislang nicht erfolgreich verlaufen. Ganz im Gegenteil haben seit dem Bezugsjahr 1990 die CO2-Emissionen inzwischen weltweit um etwa 40 Prozent zugenommen.

Aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung mit ihrem Streben nach dem westlichen Lebensstandard und des damit rasant zunehmenden weltweiten Energieverbrauchs, der sich immer mehr auf fossile Brennstoffe stützt, wird sich dieser Trend – zumindest für die nächsten Jahrzehnte – aller Voraussicht nach weiter fortsetzen. Aber selbst wenn es gelänge, diese Emissionen rasch weltweit zu reduzieren, so ließen sich die durch die Veränderung des Gashaushalts der Atmosphäre inzwischen angestoßenen systemimmanenten Veränderungen der Klimaentwicklung unserer Erde nicht wieder rückgängig machen – auch deshalb nicht, weil die Verweildauer der bereits in der Atmosphäre vorhandenen CO2- Moleküle offensichtlich bis über 1000 Jahre betragen kann.

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Anpassung an den Klimawandel

Da aber die aktuelle Klimaveränderung bereits heute mit ganz konkreten Auswirkungen verbunden ist, besteht nicht nur im Bereich CO2-Emissionsminderung (Mitigation), sondern insbesondere auch für die Entwicklung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen (Adaptation) akuter Handlungsbedarf. Dabei wissen wir, dass die Auswirkungen der globalen Erderwärmung von Region zu Region sehr unterschiedlich sein können.

In diesem Zusammenhang besteht für die Wissenschaft die dringende Herausforderung, diese regional unterschiedlichen Veränderungen zu analysieren und mithilfe von regionalen Klimamodellen mögliche Zukünfte zu erarbeiten. An diesen Szenarien können dann die jeweils erforderlichen Anpassungskonzepte ansetzen. Hier kann vor allem die Paläoklimaforschung nach dem Motto „Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen!“ wertvolle Beiträge leisten.

Da wir des Weiteren nicht davon ausgehen können, dass selbst bei einer kompletten „Sofort-Abschaltung“ aller menschlichen Einflüsse auf das Klima sich dieses zukünftig in einem eng begrenzten Rahmen quasi stabil verhalten würde, sind Anpassungsmaßnahmen an eine auch weiterhin zu erwartende Klimadynamik – gerade auch in Kombination mit anderen global relevanten Entwicklungen wie Demografie, Urbanisierung und Rohstoffknappheit – das Gebot der Stunde.

Aufgrund der bislang nicht hinreichend verstandenen Komplexität unseres Planeten Erde sind die Klima- modelle – insbesondere, wenn sie sich auf konkrete Regionen beziehen – nach wie vor mit Unsicherheiten behaftet, auch wenn in den letzten zwei Jahrzehnten relevante Fortschritte erzielt wurden. Hier besteht deshalb weiterhin dringender Forschungsbedarf.

DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG

Entscheidungsträger stehen damit einmal mehr vor dem Problem, auf der Basis eher unsicheren Wissens handeln zu müssen. Diese diffizile Handlungsbasis erfordert ein Höchstmaß an Flexibilität und – neben allgemein akzeptierten No-regret-Maßnahmen – die Bereitschaft, Entscheidungen möglichst nur dann, dort und in dem Umfang zu treffen, wie es die jeweils vorherrschenden Rahmenbedingungen und Notwendigkeiten verlangen. Um die Effekte der jeweils eingeleiteten Regelungen und Maßnahmen zu kontrollieren, sind möglichst zielgenaue Monitoringverfahren angezeigt.

Daraus leitet sich ein iterativer Prozess ab mit der Maßgabe, auf der Grundlage neuen Wissens bereits getroffene Entscheidungen zu revidieren. Es sind also tatsächlich die Entscheidungsträger in der Politik – von der internationalen, der EU-, der Bundes- bis zur kommunalen Ebene – sowie in der Wirtschaft, welche die Bürde dieses Entscheidungsdilemmas zu tragen haben. Menschen, die sich derartig komplexen Entscheidungsaufgaben verantwortungsvoll stellen, verdienen deshalb in unserer Gesellschaft – nicht nur im Kontext der Klimawandelproblematik – ein höheres Maß an Anerkennung, als dies bislang der Fall ist.

Gute und schlechte Wissenschaft

Selbstverständlich sind die noch bestehenden, zum Teil gravierenden Wissenslücken in unserem Verständnis des Systems Erde Gegenstand intensiver Forschungsarbeiten. Dies aber bedeutet, dass die damit befassten Wissenschaftler immer wieder neue und ganz sicher auch überraschende Ergebnisse erzielen werden, welche die jetzigen Annahmen und Vorstellungen – unsere Erde, ihr Klima und deren Interaktionen betreffend – an der einen oder anderen Stelle infrage stellen oder sogar falsifizieren werden. In der Tat ist es die zentrale Aufgabe wissenschaftlicher Arbeit, neues Wissen zu generieren sowie sogenanntes sicheres Wissen immer wieder zu hinterfragen, um dieses – wo immer möglich – durch neues und damit besseres Wissen zu ersetzen.

In diesem Sinne ist eine Einteilung der Forscher in diejenigen, die angeblich über hinreichendes Wissen verfügen, und in eine andere Gruppe, die diesem aktuellen Wissensstand skeptisch gegenübersteht, ein dem grundlegenden Konzept der Wissenschaft zuwiderlaufender Vorgang, insbesondere wenn die in Rede stehende Thematik noch Gegenstand intensiver Forschung ist. Was aber sehr wohl existiert, ist gute und schlechte Forschung.

Die Unterscheidung in gute und schlechte Wissenschaft lässt sich gerade im Bereich der Natur- und Technikwissenschaften durch geeignete Parameter adäquat überprüfen und damit belegen. Wenn mithilfe guter Forschung neues Wissen generiert wird, dieses aber gleichwohl nicht in das vom Mainstream gezeichnete Bild passt, dann können solche Ergebnisse nicht einfach in die Rubrik Skepsis eingeordnet werden. Vielmehr belegen derartige Erkenntnisse, dass jeder Wissenschaftler letztlich bereit sein muss, seine auch noch so lieb gewonnene Arbeitshypothese oder Theorie zu relativieren oder sogar ganz zu verwerfen, wenn neue, wissensbasierte Fakten dieses erfordern. Wissenschaft muss frei, muss unabhängig sein, sonst kann sie ihren Auftrag nicht erfüllen.

RESSOURCENEFFIZIENZ IST DIE BASIS

Neben diesen Zusammenhängen lehrt uns die Klimadebatte eine weitere Handlungsmaxime: Unser Planet Erde ist begrenzt. Und solange wir nicht auf andere, beispielsweise bislang nicht zugängliche Ressourcen oder auf Ressourcenersatz durch völlig neuartige Innovationen zurückgreifen können, müssen wir die verfügbaren Ressourcen möglichst effizient einsetzen. Letztlich sind es der ständig steigende Ressourcenverbrauch sowie die permanent zunehmende Inanspruchnahme begrenzter Georessourcen, die für uns Menschen und unsere Gesellschaften immer wieder schwerwiegende Probleme verursachen. Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz sind deshalb die zentrale Basis, um nachhaltiges Wirtschaften zu gewährleisten.

In Deutschland steht das diesjährige Wissenschaftsjahr unter dem Motto „Zukunftsprojekt ERDE“. Die Klimadebatte ist ein in jeder Hinsicht überzeugender Beleg für die Bedeutung dieser Mission. ■

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