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Es blühte früher als gedacht

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Aufnahme eines fossilen Pollenkorns. Credit: Peter A. Hochuli1. P, A and Feist-Burkhardt. S, Frontiers in Plant Science, 2013.
Ein wahrhaft bunter Blumenstrauß: Gemessen an ihrer Artenvielfalt sind die Blütenpflanzen die erfolgreichste Gruppe im Reich der Botanik. Bisher haben Fossilienfunde nahegelegt, dass der blumige Siegeszug in der frühen Kreidezeit, vor etwa vor 140 Millionen Jahren einsetzte. Doch neu entdeckte fossile Pollen attestieren den Blütenpflanzen nun ein um 100 Millionen Jahre höheres Alter. Sie haben sich offenbar bereits im Zeitalter des Trias entwickelt.

Man nimmt an, dass sich die Blütenpflanzen aus Vorgängern entwickelt haben, die den heutigen Farnen, Koniferen oder dem bekannten Ginkgo ähnelten. Blüten und Blätter sind filigrane und leicht vergängliche Pflanzenorgane – von ihnen gibt es wenig Versteinerungen. Bei den ältesten bekannten Spuren der Blütenpflanzen handelt es sich deshalb um Pollenkörner. Ihre Fossilien finden sich zahlreich in Gesteinen der frühen Kreidezeit. Deshalb nahm man bisher an, dass die Blütenpflanzen vor etwa 140 Millionen Jahren entstanden sind.

 

Forscher haben außerdem bereits versucht, das Alter der Blütenpflanzen mittels Genom-Studien zu ermitteln. Dabei werden die Mutationsraten bestimmter Gene wie eine Art molekulare Uhr genutzt, um evolutionäre Entwicklungen zeitlich einzuordnen. Doch diese Studien kamen zu keinen klaren Aussagen – die Einordnungen reichten von der Kreidezeit bis zur Trias. Die aktuelle Studie belegt nun durch Funde, dass die Wurzeln der Blütenpflanzen deutlich weiter als bis in die Kreidezeit zurückreichen.

 

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Pollen-Fossilien in Bohrkernen aus der Schweiz

 

Bei den neu entdeckten Fossilien handelt es sich um Pollen, die Forscher in Bohrkernen von Gestein aus der Schweiz entdeckt haben, die auf ein Alter von 252 bis 247 Millionen Jahren datiert wurden. Mittels konfokaler Laser -Scanning-Mikroskopie konnten Peter Hochuli und Susanne Feist-Burkhardt von der Universität Zürich die winzigen Gebilde mit hoher Auflösung erkennbar machen. Die dreidimensionalen Aufnahmen offenbarten Pollen von sechs verschiedenen Pflanzenarten. Sie zeigen den Forschern zufolge typische Eigenschaften des Pollen von Blütenpflanzen. Es handelte sich also um direkte Vorfahren dieser Pflanzengruppe.

 

Die Forscher hatten bereits zuvor einmal Hinweise auf Blütenpflanzen-ähnlichen Pollen in Bohrkernen aus der Barentssee entdeckt, die auch aus der mittleren Trias stammen. Das aktuelle Ergebnis rundet dieses Bild nun ab. In der mittleren Trias lagen sowohl die Barentssee als auch das Gebiet der heutigen Schweiz in den Subtropen. Doch die heutige Alpenregion besaß damals ein viel trockeneres Klima als das Gebiet der Barentssee. Das lässt vermuten, dass sich die Vorfahren der Blütenpflanzen damals bereits ein breites Spektrum an Lebensräumen erobert hatten, sagen die Wissenschaftler.

 

Doch wie sahen diese frühen Blüher aus? Diese Frage können die Forscher leider nicht beantworten. Doch die Struktur der Pollen legt ihnen zufolge nahe, dass sie durch Insekten bestäubt wurden. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um Käfer, denn die Bienen betraten erst etwa 100 Millionen Jahre später die Bühne der Evolution. Erst dann begann ihre gemeinsame Karriere mit den Blütenpflanzen.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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