von DIRK EIDEMÜLLER
Nicht nur auf der Erde erstrahlen die Polarregionen in einem besonderen Licht. Auch auf den anderen Planeten im Sonnensystem prasseln energiereiche Elektronen und Ionen entlang der Magnetfeldlinien auf die Atmosphäre und führen in hohen Breitengraden zu Leuchterscheinungen. Allerdings unterscheiden sich diese stark voneinander – abhängig vom Magnetfeld und der Lufthülle des Planeten.
Wie groß die Kontraste sein können und welche unterschiedlichen Effekte sie häufig mit sich bringen, haben jetzt Analysen der Polarlichter auf Merkur und Jupiter gezeigt.
Während der Riesenplanet Jupiter die mit weitem Abstand stärksten Aurorae in unserem Sonnensystem hervorzaubert – rund tausendfach so hell wie die Polarlichter auf der Erde –, leuchtet Merkur mangels einer richtigen Atmosphäre gar nicht im sichtbaren Bereich. Stattdessen wabert Röntgenstrahlung über seine Polregionen. Die im Oktober 2018 gestartete europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo konnte diesen Prozess nun verständlich machen.
Merkurs Röntgenleuchten
Da der kleine Planet nahe um die Sonne kreist, kann man ihn von der Erde aus nur schlecht beobachten. „Es ist auch nicht einfach, einen Satelliten in eine Umlaufbahn um Merkur zu bringen“, sagt Markus Fränz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Das liegt nicht nur an der Sonnenhitze, sondern auch an der hohen Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Merkur und Erde beim Orbit um die Sonne. Deshalb gab es erst wenige Missionen zum Merkur, die die Magnetosphäre des Planeten aus der Nähe erforscht haben.
Mariner 10 flog 1974 und 1975 dreimal an Merkur vorüber. Messenger untersuchte den Planeten zwischen 2008 und 2015 und trat dabei auch in eine Umlaufbahn ein. Die Raumsonden stellten starke Röntgenpolarlichter fest. Sie konnten deren Ursprung aber nur ansatzweise aufklären. Beide Missionen registrierten starke Flüsse energetischer Elektronen. Die Messungen erfassten allerdings nur recht hochenergetische Elektronen.
BepiColombo hat mittlerweile drei Vorbeiflüge an Merkur absolviert und wird 2025 in einen Orbit um den Planeten einschwenken. „Aber schon die ersten Vorbeiflüge in minimal rund 200 Kilometer Entfernung haben wichtige Erkenntnisse gebracht“, sagt Fränz. Die Raumsonde machte erstmals Messungen über der nördlichen Nachtseite sowie über der südlichen Tagseite.
Ähnlich wie bei der Erde hat das Magnetfeld des Merkur auf der sonnenabgewandten Seite einen „Schwanz“. Von diesem strömen Elektronen entlang der Magnetfeldlinien Richtung Planet. „Die neuen Messungen zeigen, dass es vor allem Elektronen mit Energien von 100 bis 2000 Elektronenvolt sind, welche die Magnetosphäre des Merkur dominieren“, sagt Fränz.





