von RÜDIGER VAAS
Alles scheidet, Alles grüsst sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins. In jedem Nu beginnt das Sein; um jedes Hier rollt sich die Kugel Dort. Die Mitte ist überall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit“, verkündete Friedrich Nietzsche seine tiefe Überzeugung „von der ewigen Wiederkunft aller Dinge“ im dritten Teil seines epochalen Buchs „Also sprach Zarathustra“ (veröffentlicht im April 1884). Er propagierte den Wiederkehr-Gedanken nicht nur philosophisch und poetisch, sondern auch kosmologisch; und er versuchte jahrelang immer wieder aufs Neue, ihn physikalisch genauer zu formulieren und zu begründen.
Inzwischen hat sich das Wissen vom Weltall radikal gewandelt und erweitert. Aber die Hypothese von zeitlichen, räumlichen oder besser raumzeitlichen Repetitionen kehrte in der modernen Kosmologie selbst zurück (bdw 9/2001, „Ewiges Leben im Universum?“ und 5/2002, „Ewige Wiederkehr“). Insofern sind Nietzsches Überlegungen keineswegs obsolet. Auch die Idee eines begrenzten Universums mit „kugelförmiger“ Gestalt und einer Mitte überall ist noch immer relevant (bdw 10/2022, „Wie ein neues Weltbild entstand“). Diese Vorstellung hatten schon Nikolaus von Kues (1440) und Blaise Pascal (vor 1662) vage vorweggenommen. Sie ist aber erst im Rahmen der nichteuklidischen Geometrie präzise verständlich, auf die sich Nietzsche bereits bezogen hat. Und inzwischen spekulieren Kosmologen sogar über einen krummen „Pfad der Ewigkeit“ in einer ringförmigen Raumzeit.
Katastrophale Phantomenergie
Seit 1998 gibt es klare astronomische Indizien dafür, dass sich der Weltraum immer schneller ausdehnt – eine Entdeckung, für die Saul Perlmutter, Brian P. Schmidt und Adam G. Riess 2011 mit dem Physik-Nobelpreis geehrt wurden. Was diese beschleunigte Expansion antreibt, die vor etwa sechs Milliarden Jahren begann, ist rätselhaft (bdw 4/2010, „Das Universum ist ganz anders!“). Die Mehrheit der Kosmologen nimmt eine mysteriöse Dunkle Energie an. Dafür ist die 1917 von Albert Einstein in die Allgemeine Relativitätstheorie eingeführte Kosmologische Konstante die momentan beste Erklärung.
Auch ohne genaue Kenntnisse der zugrunde liegenden Physik lässt sich die kosmische Dynamik einfach beschreiben: mit der Zustandsgleichung der Dunklen Energie. Darin spielt der Parameter w = p/ρ die entscheidende Rolle. Diese Zahl bezeichnet das Verhältnis des Drucks p der räumlich homogen verteilten Dunklen Energie zu ihrer Energiedichte ρ. Ist w kleiner als –1/3, wird die Expansion immer schneller. Das einfachste Szenario ist w gleich –1. Dafür steht die Kosmologische Konstante. Sie ist aber nicht der einzige Kandidat. So könnte auch ein hypothetisches Feld namens Quintessenz die Ausdehnung des Weltraums beschleunigen – mit einer konstanten oder abnehmenden Rate. Vielleicht verändert sich der w-Wert sogar in der kosmischen Geschichte.





