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Klimafaktor Kontinentaldrift

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Credit: Thinkstock
Pinguine, Eiswüsten und gewaltige Gletscher: Frost hat die gesamte Antarktis fest im Griff – doch das war nicht immer so: Einst besaß der südliche Kontinent ein gemäßigtes Klima und üppiges Leben. Die treibende Kraft hinter der der Abkühlung vor etwa 49 Millionen Jahren war die Verschiebung der Erdplatten, berichtet nun ein internationales Forscherteam. Am Anfang stand demnach der Bruch eines Dammes: Als Australien gen Norden driftete, brach die Landbrücke zur Antarktis und verschaffte damit dem antarktischen Zirkumpolarstrom freie Bahn, der den Südkontinent bis heute kalt hält. Dies wirkte sich auf das gesamte Weltklima aus und beendete die damalige Warmzeit.

„Zwar war bekannt, dass Australien und die Antarktis seit etwa 80 Millionen Jahren vor heute langsam aber unaufhaltsam auseinander driften“, sagt der Hauptautor der Studie Peter Bijl von der Universität Utrecht. „Wir wussten bislang aber nicht, wie genau das verlief und wie die Bewegungen der Erdplatten die Meeresströmungen in dieser Region beeinflussten.“ Indizien für die tektonisch ausgelösten Umwälzungen lieferten nun fossile Überreste einzelliger Algen. Das Forscherteam hatte sie durch Bohrungen auf beiden Seiten der ehemaligen Landbrücke zwischen Australien und der Antarktis aus dem Meeresgrund gefördert.

Geburt eines kalten Isolationsbandes

Vor etwa 50 Millionen Jahren waren Australien und die Antarktis durch eine schmale Landbrücke verbunden – ähnlich wie heute Nord- und Südamerika. Kernstück dieser Verbindung war die heutige Insel Tasmanien. Die Artenzusammensetzung der Algen bot vor der Öffnung der tasmanischen Landbrücke ein deutlich anderes Bild als danach, ergaben die Untersuchungen der Bohrkerne. „Ab 49 Millionen Jahre vor heute ähnelt sich die Artenzusammensetzung in den Proben auf beiden Seiten der tasmanischen Landbrücke“, sagt Co-Autorin Ursula Röhl vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. „Wir sehen darin ein Indiz, dass die Meeresströmungen nicht mehr aufgehalten wurden.“ Als das Wasser ungehindert vom Südpazifik in den südlichen Indischen Ozean strömen konnte, war der antarktische Zirkumpolarstrom geboren. Er isolierte die Antarktis fortan von den wärmeren Regionen weiter nördlich.

Die Folgen waren eisig: Der Südkontinent begann zunehmend abzukühlen. Das konnten die Wissenschaftler mit Hilfe von Molekularanalysen an Mikroorganismen und Pollen aus dem erbohrten Probenmaterial ebenfalls belegen. Diese Untersuchungen zeigen, dass ab vor etwa 49 Millionen Jahren sowohl die Oberflächentemperaturen des Südpolarmeers als auch die Lufttemperaturen über der Antarktis sanken, erklären die Forscher. Das Ende des damaligen Treibhausklimas war damit eingeleitet. Einige Millionen Jahre später bildeten sich dann die ersten antarktischen Gletscher, die dann zum Kontinent weiten Inlandeis zusammen wuchsen, das die Antarktis heute prägt.

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Peter Bijl (Universität Utrecht) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1220872110 © wissenschaft.de – Martin Vieweg
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