von DIRK EIDEMÜLLER
Die Geburt neuer Sterne ist ein majestätischer Anblick. Zu den faszinierendsten Bildern gehören Aufnahmen von Sternentstehungsregionen. Hier erstrahlen riesige Gas- und Staubmassen in allen Wellenlängenbereichen – vom fernen Infrarot über das sichtbare Licht bis hin zum extremen Ultraviolett.
Oft verdunkeln dichte Molekülwolken einen Teil des Bildes oder blockieren bestimmte Wellenlängen. Vielleicht werden sie in Jahrmillionen das Ausgangsmaterial für weitere Sterne und Planeten sein. Solche Bilder von den Geburtsstätten neuer Stern- und Planetensysteme werden meist von verschiedenen Teleskopen bei unterschiedlichen Wellenlängen aufgenommen und dann zu Falschfarben-Kompositbildern zusammengesetzt, um dem menschlichen Auge zumindest einen groben Eindruck dieser hochkomplexen himmlischen Regionen zu bieten.
Wie die Materie zusammenströmt und sich schließlich zu einem Stern vereinigt, ist gut erforscht: Wenn sich eine Gas- und Staubwolke erst einmal verdichtet hat, ist die Schwerkraft an diesem Ort größer als in der Umgebung. Das führt dazu, dass mehr Materie angezogen wird als durch den Strahlungsdruck davonströmt. Dadurch steigen allerdings Druck und Temperatur, was die Gasmassen wieder etwas auseinandertreibt. Nur durch die Abgabe von Strahlung – insbesondere von Wärmestrahlung der aufgeheizten Gasmassen – kann eine solche Gas- und Staubwolke weiter kontrahieren, bis sie schließlich dicht genug ist, um das Sternenfeuer zu zünden – die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium. Dann ist ein neuer Stern geboren.
Sternentstehungsregionen im Visier
Während die Kontraktion kompakter Gaswolken zu Sternen trotz der komplexen Vorgänge recht gut verstanden ist, bereiten die großräumigen Vorläuferprozesse der Sternentstehung den Astronomen noch Kopfzerbrechen. Denn hier sind nicht nur die Distanzen um ein Vielfaches größer, sondern es spielen auch die Magnetfelder eine schwer vorhersagbare Rolle. So gibt es in der Milchstraße genau wie in anderen Galaxien riesige Wasserstoff-Molekülwolken, aus denen sich Sternhaufen bilden könnten.
„Doch wie wir wissen, ist die Rate, mit der sich neue Sterne in unserer Galaxie bilden, recht niedrig“, sagt Thushara Pillai, die am Max-Planck-Institut für Radioastronomie und an der Boston University arbeitet. „Was aber bremst die Sternentstehung? Seit Jahrzehnten debattieren Astronomen darüber, welche Rolle Magnetfelder einerseits und turbulente Strömungen andererseits spielen.“
Die Erforschung von Sternentstehungsregionen hat mit einer grundlegenden Schwierigkeit zu kämpfen: In den viele Lichtjahre großen Molekülwolken herrschen zwar weiträumige magnetische Felder, welche die Dynamik der Gasströme innerhalb dieser Wolken entscheidend beeinflussen. Aber das Gas ist so dünn, und die Felder sind dementsprechend so schwach, dass sie sich kaum messen lassen. Zugleich ist es für die Astronomie enorm wichtig, diese Dynamik zu verstehen, denn daran hängen viele weitere Fragen zur Sternentstehung und zur Modellierung der Entwicklung ganzer Galaxien.





