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Geschichte+Archäologie

Einrichtungsstile im Wandel der Zeit

Sessel in leerem Raum
(Bild: Adobe Stock, Annatamila)
Für viele Menschen muss die Einrichtung ihrer Wohnräume nicht nur funktional sein, sondern auch optischen Ansprüchen genügen. Das ist nicht erst seit einigen Jahren so, sondern reicht weit in der Geschichte zurück. Dementsprechend viele Trends gab es im Laufe der Jahrhunderte, welche die Einrichtungsstile beeinflusst haben und bezeichnend waren für die jeweilige Epoche. Es ist daher interessant, einmal einen Blick auf den Wandel der Zeit zu werfen und auf die Frage: Wie sieht Einrichtung in der modernen Gesellschaft aus?

Die Psychologie hinter der Raumgestaltung

Natürlich gibt es Menschen, die ihre Einrichtung wahllos zusammenwürfeln. Das ist beispielsweise oft bei Studenten der Fall, die für ihr erstes WG-Zimmer einfach nicht viel Geld haben. Doch in der Regel wird selbst dann versucht, diese einigermaßen stimmig zu arrangieren oder gemäß der eigenen Vorstellungen umzudekorieren. Nur in den wenigsten Fällen ist die Raumgestaltung also tatsächlich eine Frage des Zufalls. Was viele nicht wissen, ist, dass hinter ihr stattdessen eine ausgefeilte Psychologie steckt.

Dieser Mechanismus greift auf zwei Ebenen: Einerseits hat die Einrichtung selbst Einfluss auf das Wohlbefinden, die Stimmung oder beispielsweise die Produktivität einer Person. Andererseits ist der Einrichtungsstil wiederum geprägt von psychologischen Merkmalen und kann daher interessante Aufschlüsse über Lebensumstände oder Charakter des Bewohners geben. Ebenso verraten die Einrichtungstrends der Vergangenheit, welcher Zeitgeist damals herrschte. Wie also wurden vor 100, 200 oder auch 1.000 Jahren die Räume gestaltet?

Wie alles begann…

Einrichtung wird häufig mit einem gewissen Möbelstil gleichgesetzt und somit beginnt ihre Geschichte simultan mit jener der ersten Möbel. Die ältesten gefundenen Überreste von Mobiliar befanden sich in ägyptischen Gräbern aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Heutzutage lässt sich also nur schwer zurückverfolgen, wann genau die Nutzung von Möbeln begonnen hat. Zu jener Zeit waren Truhen, Betten und Sessel aber eine beliebte Grabbeilage. Bereits damals waren diese sorgfältig verziert und mit Einlegearbeiten aufwändig verarbeitet. Auch bei den Römern, Griechen sowie Etruskern wurden bereits Möbel eingesetzt, wie die Wissenschaft mittlerweile weiß.

Romanik

Stilmöbel in Schlafzimmer
(Bild: Adobe Stock, Anna Baburkina)

Besser nachvollziehen lässt sich die Geschichte der Einrichtung und damit auch ihrer Trends aber erst ab dem Zeitalter der Romanik, welches grob zwischen 800 und 1200 lag. Geprägt war das Mobiliar damals noch vom Möbeldesign im antiken Rom. Massive Pfostenstühle oder fest mit dem Haus verbundene Schränke sowie Betten gehörten zur ganz normalen Einrichtung. Gearbeitet wurde aus robusten Hölzern, deren Oberflächen mit Firnis oder heißem Wachs behandelt waren und somit einen dunklen Farbton annahmen.

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Gotik

Der Übergang von der Romanik zur Gotik war fließend und begann etwa um 1140. Die Gotik dauerte bis 1500 an und war geprägt durch aufwändig verziertes und filigranes Mobiliar. Im Gegensatz zu den massiven Möbeln aus der Romanik, wurden also bemalte sowie geschnitzte Flächen, Schränke mit Schubladen, Stühle mit Armlehnen und weitere Einrichtungsgegenstände mit liebevollen Details genutzt. Optisch erinnerten sie an die Architektur der gotischen Kathedralen, geprägt also von vertikalen Linien und schmalen Rahmenkonstruktionen. Zugleich boten sie mehr Komfort und waren funktionaler als noch wenige Jahrzehnte zuvor.

Renaissance

Die Renaissance beschreibt das Zeitalter zwischen 1500 und 1650, als der Möbelstil üppiger wurde, was sowohl für den Komfort als auch die Optik gilt. Zudem wurden nun vermehrt auch Kleinmöbel mit praktischen Funktionen entwickelt. Inspiriert war die Einrichtung der Renaissance vom Palazzo in Florenz, wo die Epoche ihre Geburtsstätte hatte. Dementsprechend wurden die Räume groß und hell gestaltet, aber mit Ledertapeten, Malereien oder anderen Wandbehängen verziert. Die Arm- und Rückenlehnen sowie Sitzflächen von Stühlen sowie Sesseln wurden erstmals gepolstert. Die Schränke wurden mit detailreichen Schnitzereien geschmückt und Schreibkabinette erhielten Reliefs sowie Sockelebenen.

Barock

Barock eingerichtete Zimmer
(Bild: Adobe Stock, 4th Life Photography )

Um das Jahr 1630 kam langsam der Barock auf und mit ihm viele neue Möbeltypen. Dazu gehören beispielsweise Kommoden oder Schreibtische. Zudem wurde anstelle der Eiche zunehmend Nussbaumfurnier oder Ebenholz verwendet. Vor allem aber gilt das Barockzeitalter als Höhepunkt der Intarsienarbeiten, sprich die massiven Möbel wurden mit Schildpatt, Messing, vergoldeter Bronze, Zinn oder Elfenbein geschmückt. Zudem gelten gebrochene sowie gekrümmte Linien als bezeichnend für diese Zeit und vor allem in den Adelshäusern mangelte es nicht an Prunk.

Rokoko

In der späten Phase des Barocks und bis etwa ins Jahr 1780 wurde im Rokoko die neue Handwerkskunst weiter verfeinert. Die Möbel wirkten weniger massiv, schwungvoll gestaltet und wurden mit feuervergoldeten Zierbeschlägen versehen. Bei den Schnitzereien wurden muschelförmige Verzierungen zum Trend und viele Einrichtungsgegenstände wie beispielsweise Tische, Stühle oder Sessel erhielten s-förmig geschwungene Beine. Neben dem im Barock erfundenen Schreibtisch, kam nun auch der Sekretär in Mode.

Klassizismus

Bis circa zum Jahr 1840 dauerte anschließend der Klassizismus an, welcher einen starken Kontrast zu den vorangegangenen Epochen darstellte. Anstelle der Ornamente und Verzierungen, waren die Möbel nun geprägt von geometrischen Formen und schlichten Designs. Die Füße der Einrichtungsgegenstände wurden im Klassizismus gerne halbkugelförmig gestaltet und das Mobiliar bevorzugt aus Ahornhölzern gefertigt. Als Verzierung kamen stilisierte Palmenblätter sowie feine Einlegearbeiten zum Einsatz.

Biedermeier

Simultan zum Klassizismus entwickelte sich in den Jahren 1815 bis 1850 die Restauration, aus welcher die bis heute berühmten sowie beliebten Biedermeier Möbel stammen, weshalb diese Epoche mittlerweile auch gerne als Biedermeier bezeichnet wird. Entstanden sind diese Möbel in Wien und waren einst eher als Zweckmöbel konzipiert. Später wurden sie zunehmend erweitert, beispielsweise im Sinne einer Kommode, die zugleich über Auszüge als Schreibtisch verwendet werden kann. Vervollständigt wurde der Trend durch Blümchentapeten und bestickte Ofenschirme. Die Ornamente, Intarsienarbeiten und Beschläge schmolzen hingegen auf ein Minimum.

Historismus

In der frühen Phase des Historismus erlebten viele der vorangegangenen Trends ein Revival. Erst wurden die schlichten Biedermeier-Möbel langsam üppiger, dann wurden Einflüsse aus anderen Ländern wie beispielsweise ägyptische oder orientalische Merkmale eingefügt. Im weiteren Verlauf mauserte sich der Historismus zur Epoche eines bunten Stilmix mit Elementen aus der Renaissance, dem Barock, aber auch dem Rokoko sowie Biedermeier. Es gibt also nicht den einen Einrichtungsstil aus dem Historismus, sondern vielmehr handelte es sich um üppige Plüsch- oder Samtmöbel in dunklen Farbtönen, die entweder schlicht und geometrisch oder aber auffällig sowie verspielt gestaltet waren.

Jugendstil

Es folgt zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Epoche namens Jugendstil, welche sich vor allem durch asymmetrische Muster sowie kurvige Linien auszeichnete. Ziel war, nicht mehr nur vergangene Trends zu imitieren, sondern einen neuen Stil zu entwickeln. Vor allem Ornamente aus der Pflanzen- sowie Tierwelt erfreuten sich jetzt großer Beliebtheit. Gleichzeitig stand die Funktionalität der Möbel im Vordergrund. Als typisch für diese Epoche gilt die Jugendstil-Couch mit ihren geschwungenen Formen und Beschlägen aus Bronze, Stahl oder Gusseisen, die als Spiralen, Schnecken, Blumen oder Ranken gestaltet wurden.

Bauhaus

Modern eingerichtetes Zimmer
(Bild: Adobe Stock, virtua73)

Gegen Ende des Jugendstilzeitalters entwickelte sich die Bauhausstilrichtung zwischen 1920 und 1949. „Form follows function“ lautete damals das Motto und dementsprechend präsentierten sich Bauhausmöbel schlicht, zweckdienlich und zeitlos. Die Linien wurden klar sowie geometrisch gehalten und ebenso die Muster. Überraschend modern hauchte der Bauhausstil an, weshalb er sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.

Mid-Century

Doch nicht nur die Bauhausmöbel sind seit ihrer Erfindung zum Dauerbrenner geworden und erleben in regelmäßigen Abständen ein Comeback, sondern auch die Einrichtungsgegenstände aus dem Mid-Century, sprich aus den Jahren 1949 bis 1969. Nun kam erstmals Farbe ins Spiel und die Pop-Art-Kultur wirkte sich zunehmend auch auf das Innendesign aus. Ihren Höhepunkt fanden die zunehmend schrillen, bunten sowie extravaganten Möbel schließlich in den 70er-Jahren. Mobiliar in Nierenform ist bezeichnend für das Mid-Century, ebenso wie Messingschuhe an Stühlen sowie Tischen oder metallische Elemente.

…und jetzt?

Mittlerweile ist die Inneneinrichtung zwar wieder weniger schrill, doch die Vorliebe zum Metall ist ebenso geblieben wie die schlichte Funktionalität aus der Bauhausepoche. Den einen Einrichtungsstil gibt es heutzutage aber nicht mehr, sondern die Diversifikation schreitet immer weiter voran. Landhausstil, Shabby Chic, Skandinavisch: die Möglichkeiten sind beinahe endlos und so ist garantiert für jeden Geschmack die richtige Wahl dabei. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Moderne Einrichtung setzt auf schlichte Möbel und dezente Farben. Aufwändige Schnitzereien, üppige Ornamente oder Bronzebeschläge gehören weitestgehend der Vergangenheit an. Stattdessen ist moderne Einrichtung eher „clean“ gehalten, ganz gemäß dem Motto: Weniger ist mehr.

05.11.2019

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Wissenschaftslexikon

Or|le|an|strauch  〈m. 2u; Bot.〉 kräftiger trop. Strauch od. kleiner Baum mit blassrosa Blüten, der Orlean liefert: Bixa orellana

♦ Ma|gne|si|um|chlo|rid  〈[–klo–] n. 11; unz.; Chem.〉 weißes, nur im Meerwasser vorkommendes Salz

♦ Die Buchstabenfolge ma|gn… kann in Fremdwörtern auch mag|n… getrennt werden.

Fa|ci|a|lis  〈[–tsi–] m.; –; unz.; Anat.〉 = Fazialis

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