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Gesellschaft+Psychologie

Warum Humor Meetings und Veranstaltungen effektiver macht

Symbolbild Büroarbeit
Lachen lockert auf – und steigert darüber auch die Konzentrationsfähigkeit. (Bild: unsplash.com / Priscilla Du Preez)
Meetings, Tagungen und ähnliche Veranstaltungen sind meist hochprofessionelle Termine – bei denen es dementsprechend nüchtern und themenfokussiert zugeht. Neuerdings mehren sich jedoch die Vermutungen, dass eine Prise Humor hier zu weit mehr als nur Erheiterung beitragen kann.

Wann Humor angebracht ist und wann nicht ist ein soziokulturelles Phänomen – in jeder Kultur gibt es Situationen, in denen Lachen oder Witze ihren Platz haben oder eben nicht.

In diesem Sinne herrscht nicht zuletzt durch die Globalisierung ein praktisch weltweiter Konsens vor: Wo es um fachliche Meetings, um Tagungen, Symposien, Konferenzen und ähnliche Veranstaltungen geht, hat Humor, wenn überhaupt, nur zu einem einzigen Zeitpunkt eine akzeptierte Daseinsberechtigung: Im gelösteren, inoffiziellen Teil, nachdem die relevanten Punkte abgearbeitet wurden. Humor während es um Geschäftsthemen, Neuerungen, Präsentationen geht? Undenkbar.

Nun aber deuten gleich mehrere neue wissenschaftliche Arbeiten darauf hin, dass just solche seriösen, nüchternen Veranstaltungen in ihrem Kern und auf mehrfache Weise von Humor profitieren können.

Lachen verboten – warum eigentlich?

Zunächst muss an diesem Punkt eine Frage erläutert werden: Warum ist es in einem seriösen Geschäftsumfeld teilweise fast schon verpönt, Humor zu zeigen – nicht nur im Rahmen von Meetings, sondern je nach Branche und Unternehmen beinahe generell? Der Grund ist abermals soziokultureller Natur: Seit dem Aufkommen der Industrialisierung im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde Arbeit in immer stärkerem Maß durchgetaktet, wurde messbar gemacht.

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Zu diesem Zweck waren nicht nur enorm viele Arbeitskräfte vonnöten, sondern es herrschte die Ansicht vor, diese müssten auch aus mehreren Gründen diszipliniert werden:

  • Verschiedenste geographische und gesellschaftliche Hintergründe
  • Sehr harte, teilweise auch hochgefährliche Arbeitsbedingungen
  • Generell harsche, prekäre Lebensverhältnisse

Unter diesen Vorzeichen galt damals alles, was nicht das reine Arbeiten umfasste, als abzulehnen – was sich teilweise bis in die Ansicht erstreckte, dass selbst Schlaf „vergeudete Zeit“ sei. Teilweise existieren sogar heute noch Firmen, die ähnlich streng vorgehen und dazu beispielsweise Privatgespräche rigoros untersagen – was unter anderem in Deutschland auch durch das Arbeitsrecht gedeckt wird.

Arbeit wurde durch diese Form von Disziplinierung in sämtlichen Schichten immer mehr als ein vornehmlich ernstes Thema angesehen und wird es vielfach auch heute. Denn so sehr sich die Arbeitswelt vor allem in den vergangenen drei Jahrzehnten auch wandelte, so sehr blieb diese Grundansicht vor allem dort bestehen, wo es nicht um den geschäftlichen Alltag geht, sondern um Ausnahmen, um übergreifende Termine. Womit sich dann der Kreis zu besagten Meetings schließt – wo bei einem internationalen Setting vielfach noch die Sorge hinzukommt, durch falschen Einsatz von Humor mitunter unabsichtliche, aber folgenschwere kulturelle Übertretungen zu begehen.

Humor steigert die Effektivität des Lernens

Humor und Lachen als menschlicher Charakterzug und gesellschaftliches Phänomen werden erst seit vergleichsweise kurzer Zeit wissenschaftlich erforscht – so wurde beispielsweise erst vor rund 20 Jahren festgestellt, welche Zonen im Gehirn für die Verarbeitung von Humor verantwortlich sind.

Seitdem allerdings erfuhr das Thema in mehreren wissenschaftlichen Bereichen neuen Schub, auch was das Geschäftliche anbelangt. So konnte Tri H. Pham von der US-amerikanischen Southern Illinois University erst vor Kurzem in einer aktuellen Arbeit zeigen, dass Humor in Meetings sowohl die wahrgenommene Effektivität der Veranstaltung wie auch die allgemeine Zufriedenheit der Teilnehmer mit dem Meeting steigert.

Durch das Lösen der als steif empfundenen Stimmung in Form einer humorvollen Auflockerung steigt die Konzentration der Teilnehmer für die wichtigen Inhalte – zu dieser Ansicht kommt auch Comedy Redner Dr. Jens Wegmann. Er hat die humorvolle Auflockerung von Events zu seinem täglichen Brot gemacht.

Das bedeutet vor allem, dass just die Abkehr von dem normalerweise praktizierten Ernsthaftigkeitsprinzip nicht, wie häufig angenommen, die Aufnahmefähigkeit für die Themen verschlechtert, sondern dass sie das exakte Gegenteil bewirkt: Ein Meeting wird umso effektiver und wirkungsvoller, gerade wenn ernsthafte Elemente durch Humoriges unter- und aufgebrochen werden.

Humor trägt zur Entspannung bei

Der Grund dafür ist in einer weiteren Wirkungsweise von Humor zu finden. Für die Erkenntnis darüber ist eine ebenfalls neue Studie, diesmal aus Thailand verantwortlich. Sie stammt vom Department of Language Studies der Kind Mongkut’s University of Technology in Bangkok.

Dabei wurde untersucht, in welche Weise sich Lachen auf geschäftliche Meetings mit dem Schwerpunkt interkulturelle Zusammenkunft zwischen Thais und Burmesen auswirkt. Kern der Untersuchung: Humor und Lachen in Verhandlungssituationen nehmen den Druck aus Gesprächen und tragen somit zur Entspannung der Teilnehmer bei.

Zwar handelt es sich wie angemerkt um eine Betrachtung zweier konkreter Kulturen, jedoch lassen sich die Ergebnisse auch auf andere Kulturen, darunter unsere westliche, übertragen.

In Verbindungen mit den Erkenntnissen aus der ersten Studie ergibt sich somit ein konkretes Bild:

  • Meetings werden kulturell als strenge Situationen empfunden und vielfach so durchgeführt.
  • Das erzeugt bei vielen Teilnehmern ein zu konzentriertes Vorgehen, da es für die meisten Menschen unnatürlich ist, über viele Stunden keinerlei Humor zu zeigen und zu fühlen.
  • Unter dieser Zwangshaltung leidet nicht nur die allgemeine Stimmung, sondern es sinkt mit der Zeit auch die Konzentrationsfähigkeit für die eigentlich relevanten Themen des Treffens.

Das bedeutet, eine Prise Humor lockert das Meeting allgemein auf. Sie dient als Pause zwischen den Themen. Dadurch ermöglicht sie den Teilnehmern ein Loslassen, eine Fokusverschiebung. Das Gehirn kann sich mit einem „leichten“ Thema befassen, bekommt dadurch den nötigen Raum zur Erholung – meistens sogar noch besser als durch klassische Pausen, da es in diesen vielfach doch nur um ähnliche Themen geht wie im Meeting selbst.

Humor fördert zudem Kreativität

Sind witzige Menschen kreativer? Nicht automatisch. Allerdings deutet nach dem derzeitigen Stand der Forschung alles darauf hin, dass Humorigkeit durchaus auf andere abfärben und deren Kreativität steigern kann.

Das zumindest ist Tenor einer Studie, die ebenfalls kürzlich abgeschlossen und veröffentlicht wurde. Sie stammt aus China, von der International Business School an der Guangdong University of Finance and Economics.

Die Kernaussauge: Wenn eine Führungskraft Humor verwendet, entwickeln die Mitarbeiter mehr Kreativität. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, das der von ihnen als „Leadership Humor“ bezeichnete Humor eine Führungskraft weniger streng wirken lässt. Sie wirkt weniger als eine bedrohlich wahrgenommene Vorgesetztenperson. Dadurch steigt sie gleichsam im Ansehen der Mitarbeiter, wie diese sich generell freier fühlen, was sich wiederum positiv auf die Kreativität auswirkt.

Zusammenfassung

Das Geschäftliche im Allgemeinen und Meetings und ähnliche Konstellationen im Speziellen gelten weltweit üblicherweise als eine Situation der Ernsthaftigkeit. Dahinter steht die Annahme, dass nur durch die Abwesenheit störender leichter Faktoren die nötige Konzentration für die oft komplexen Themen aufgebracht werden kann.

Neue Studien beweisen jedoch nunmehr das Gegenteil: Gerade die Abwesenheit jeglicher Lockerheit kann das angestrebte Ziel weniger erreichbar machen. Etwas Humor, der gezielt als Bruch genutzt wird, lockert nicht nur die Stimmung auf, sondern macht darüber alle Teilnehmer entspannter, verstärkt ihre Aufmerksamkeit und kann dadurch gezielt dazu beitragen, dass eine derartige Veranstaltung erst die maximale Wirkung entfaltet.

22.10.2020

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