Akne-Impfstoff in Sicht? - wissenschaft.de
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Akne-Impfstoff in Sicht?

Um das Pickelprobelm einzudämmen, gibt es unzählige „Küchen-Tipps“ und Strategien – meist mit geringem Erfolg. (Foto: Syldavia/iStock)

Eine rotfleckige Hügellandschaft – alles voller Pickel! Der Blick in den Spiegel drückt vielen Jugendlichen auf das ohnehin labile Selbstbewusstsein. Doch nun zeichnet sich Hoffnung im Kampf gegen Akne ab. Forscher berichten über Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs. Er richtet sich gezielt gegen den „Pickel-Faktor“, der von dem Bakterium Propionibacterium acnes abgesondert wird. Tierversuche zeigen vielversprechende Ergebnisse der Strategie.

Fast jeder Teenager entdeckt in seinem Gesicht gelegentlich Mitesser und Pickel – doch bei manchen nimmt dies ein enormes Ausmaß an – man spricht von Akne. Auch der Rücken oder andere Körperteile können von der rotfleckigen Hügellandschaft betroffen sein. Grundlage der sogenannten Acne vulgaris ist eine hormonell bedingte Verstärkung der Talgproduktion in der Pubertät. Durch Verstopfungen im Ausgang der Talgdrüsen bilden sich dadurch zunächst Mitesser. Nun kommt das Bakterium mit dem bezeichnenden Namen Propionibacterium acnes ins Spiel: Es vermehrt sich in den Mitessern und führt zu Entzündungen – es entstehen die typischen Pickel. Meistens verläuft die Hautveränderung harmlos und verschwindet bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts. In schweren Fällen können allerdings auch Vernarbungen durch die Hautentzündungen zurückbleiben. Die seelischen Narben sind aber meist das eigentliche Problem: Vielen Betroffenen hat Akne regelrecht die Jugend vermiest, denn sie fühlten sich hässlich oder wurden gehänselt.

Gezielt statt „hau-drauf“

Um das Pickelproblem einzudämmen, gibt es unzählige „Geheimtipps“ und Strategien – meist mit geringem Erfolg. Auch die Medizin hat bisher nur mangelhafte Lösungen parat. „Scharfe“ Medikamente oder antibiotikahaltige Präparate zeigen zwar Wirkungen, aber auch problematische Nebeneffekte. Sie können vor allem die natürliche Hautflora aus dem Gleichgewicht bringen, denn sie beeinträchtigen auch die „guten“ Mikroben, die auf unserer Haut siedeln. „Die derzeitigen Behandlungsoptionen sind für viele der Jugendlichen, die an der multifaktoriellen entzündlichen Hauterkrankung leiden, oft nicht effektiv oder tolerierbar“, sagt Chun-Ming Huang University of California, San Diego. „Neue, sichere und effiziente Therapien sind deshalb nötigt“.

Im Rahmen ihrer Studie haben er und seine Kollegen zunächst die Rolle einer speziellen Substanz untersucht, die von Propionibacterium acnes gebildet wird: Es gab Hinweise darauf, dass der sogenannte Christie-Atkins-Munch-Peterson (CAMP) Faktor eine wichtige Rolle beim Akne-erzeugenden Effekt der Bakterien spielt. Dies konnten die Wissenschaftler nun bestätigen. Unter anderem zeigen ihre Versuche an Mäusen, dass Bakterien, die kein funktionsfähiges CAMP mehr bilden können, auch keine Akne mehr hervorrufen. Anschließend untersuchten die Forscher an Versuchstieren sowie an Zellkulturen menschlicher Hautzellen, ob sich dieser Virulenzfaktor durch den Einsatz von monoklonalen Antikörpern neutralisieren lässt. Ihre Ergebnisse zeigen, dass diese Strategie tatsächlich funktioniert und sie auch tatsächlich zu einer Verringerung der Entzündungsreaktionen führt.

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Vielversprechend mit Vorbehalten

Den Forschern zufolge handelt es sich dabei nun um sehr vielversprechenden Ergebnisse im Hinblick auf die Entwicklung einer Akne-Immuntherapie, die auf den „Pickel-Faktor“ CAMP abzielt. Allerdings stehen nun erst weitere Tests an, bis eine Zulassung entsprechender Behandlungsformen erfolgen kann. „Nach der Validierung durch eine groß angelegte klinische Studie sind die potenziellen Auswirkungen unserer Ergebnisse für die Hunderte von Millionen Menschen, die an Akne vulgaris leiden, enorm“, sagt Huang.

In einem Kommentar zur Studie betont der Dermatologe Emmanuel Contassot von der Universität Zürich ebenfalls das Potenzial des Ansatzes, aber auch den Bedarf weiterer Untersuchungen. „Die Akne-Immuntherapie stellt eine interessante Möglichkeit dar, die es weiter auszuloten gilt“, so Contassot. „Akne-Immuntherapien, die auf bestimmte Faktoren von Propionibacterium acnes abzielen, müssen allerding vorsichtig gestaltet werden, um eine unerwünschte Störung des Mikrobioms der Haut zu vermeiden“. Konkret bedeutet das: Es gilt nun zu klären, inwieweit sich CAMP-Faktor-zielgerichtete Impfstoffe auch auf andere Mikroorganismen der Haut auswirken.

Quelle: Elsevier, Journal of Investigative Dermatology, doi: 10.1016/j.jid.2018.05.032

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