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Gesundheit+Medizin

Alltagsgefahren für das Immunsystem

Viren
Das Immunsystem ist das Abwehrsystem des Körpers. (Bild: Fotolia.com / peterschreiber.media)
Stress, zu wenig Schlaf, Handy- und UV-Strahlung – in der westlichen Welt werden die Menschen zwar immer älter, dennoch lauern auch mehr und mehr Alltagsgefahren, welche das Immunsystem schwächen. In der Folge können zahlreiche Beschwerden von Migräne über häufige Infektionen oder Magen-Darm-Probleme bis hin zu Krebserkrankungen auftreten. In unterschiedlichen Studien haben sich deshalb Forscher mit der Frage beschäftigt, welche Einflüsse des „modernen“ Alltags das Immunsystem beeinträchtigen.

Viele Menschen führen ein Leben im Stress. Dabei kann es sich sowohl um psychischen als auch um physischen Stress handeln. Sie beuten ihren Körper aus, fühlen sich ständig unter Termindruck oder leiden unter Versagensängsten – Stress kann viele verschiedene Gesichter annehmen. Unterschieden wird auch zwischen solchem negativen und positivem Stress, sprich sogar positive Gefühle wie Vorfreude oder die „Schmetterlinge im Bauch“ des Verliebtseins können das Immunsystem schwächen. Kurze stressige Phasen stellen dabei aber in der Regel nicht das Problem dar. Denn solche gab es bereits zu Beginn der Menschheit. Doch nach der Flucht vor dem Raubtier oder einem anderen stressigen Erlebnis, konnten sich die damaligen Menschen ausruhen. Diese Regeneration ist notwendig, damit sich der Hormonspiegel im Körper wieder normalisieren kann. Heutzutage mögen die Stressverursacher zwar weniger lebensbedrohlich sein, jedoch bewegen sich die Stresshormone bei vielen Menschen dauerhaft auf einem zu hohen Niveau.

Frau in Stressituation
Panikattacke (Bild: Fotolia.com / terovesalainen)

Stress schwächt das Immunsystem

Ist der Stress also chronisch vorhanden, sind dementsprechend auch die Stresshormone im Blut erhöht. Diese setzen sich auf die weißen Blutkörperchen und schränken dort deren Arbeit ein, sprich sie schütten fortan weniger Botenstoffe aus, welche die Immunzellen zur Vermehrung anregen. Weiterhin sind weniger sogenannte Killerzellen sowie spezialisierte Antikörper zu finden. Alles in allem wird somit das Immunsystem gleich auf mehreren Ebenen gleichzeitig durch den Dauerstress geschwächt, in dessen Folge sich zahlreiche Symptome wie Herpes-Ausbrüche, Infektionen oder ein Reizdarm entwickeln können.

„Bauchhirn“ steuert mehr als nur die Darmgesundheit

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen akutem oder chronischem Stress und einer gesunden Verdauung ist mittlerweile ebenfalls bewiesen. Die Wissenschaftlerin Aletta Kraneveld, welche als Professorin für Pharmakologie am Institute for Risk Assessment Studies tätig ist, konnte herausfinden, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und dem Darm gibt. Verantwortlich dafür ist einerseits der Vagusnerv, welcher eine direkte Verbindung vom Gehirn zum Bauch darstellt. Andererseits besitzt der Darm selbst rund 100 Millionen Nervenzellen und ist somit beinahe eine Art kleines Gehirn, welches deshalb gerne auch als „Bauchhirn“ bezeichnet wird. Es arbeitet autonom und steuert in erster Linie alle Bereiche der Verdauung. Dazu gehören auch Botenstoffe sowie deren Rezeptoren. So wird im Darm mehr als 90 Prozent des körpereigenen Serotonins produziert – das Glückshormon. Ist die Darmfunktion also gestört, beispielsweise durch chronischen Stress, können dadurch Depressionen oder andere psychische Erkrankungen entstehen.

Zeitgleich entscheidet die Darmgesundheit auch über das Gleichgewicht aus „guten“ und „schlechten“ Bakterien. Eine gestörte Darmfunktion – sie es durch Stress, Unverträglichkeiten oder andere Faktoren – kann die Aufnahme wichtiger Nährstoffe hemmen. Weiterhin kann die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten und somit nicht mehr (optimal) als Barriere gegen Infektionen wirken. Nicht nur auf psychischer, sondern auch auf körperlicher Ebene können Magen-Darm-Beschwerden also das Immunsystem schwächen. Mögliche Auslöser sind neben Stress auch die Einnahme von Antibiotika, eine Magen-Darm-Grippe oder eine falsche Ernährung.

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Schlafmangel ist ein unterschätzter Risikofaktor

Stress kann zudem durch chronischen Schlafmangel entstehen oder diesen in Form von Schlafstörungen erwirken. Zu wenig Schlaf und Stress bilden somit eine Art Teufelskreis, welcher auf Dauer das Immunsystem schwächen und zu Problemen wie einem Burnout-Syndrom oder zahlreichen weiteren stressbedingten Erkrankungen führen kann:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Migräne
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Depressionen
  • Rücken- und Gelenkbeschwerden
  • Asthma
  • v. m.

Kalte Füße öffnen Erkältungen Tür und Tor

Im Winter leiden deutlich mehr Menschen unter Erkältungen, Grippe und anderen Infektionen. Ihr Immunsystem ist also geschwächt. Lange Zeit hieß es, die Kälte sei daran nicht schuld, sondern der Körper hätte schlichtweg weniger Energie für die Immunabwehr, da er mehr mit dem Warmhalten beschäftigt sei. Das ist allerdings nur teilweise wahr, wie eine Studie aus dem Jahr 2005 bestätigt: Demnach können kalte Füße eine Erkältung hervorrufen, indem die Körperoberfläche auskühlt und somit das Immunsystem geschwächt wird. Auslöser dafür ist eine Gefäßverengung in der Nase, wodurch diese weniger gut ihre Funktion als Barriere zwischen Krankheitserregern und Körper dienen kann. Somit finden mehr Viren, Bakterien & Co den Weg nach innen und können hier ungestörter zirkulieren.

Aus dem Fenster blickende Seniorin
Einsamkeit zu den größten Gesundheitsrisiken übrhaupt. (Bild: Fotolia.com / didesign)

Einsamkeit kann für die Gesundheit verheerend sein

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Gesundheit, welcher lange Zeit unterschätzt wurde, ist die Einsamkeit. Wer unter Einsamkeit leidet, hat eine ebenso hohe Mortalitätsrate wie Raucher, die 15 Zigaretten pro Tag qualmen. Damit zählt Einsamkeit zu den größten Gesundheitsrisiken in der westlichen Gesellschaft, zumal die Rate  jener Personen, welche sich gelegentlich oder dauerhaft einsam fühlen, stetig ansteigt. Die Gründe hierfür sind vielfältig und liegen beispielsweise in der fortschreitenden Digitalisierung, im Wegfallen der traditionellen Großfamilie sowie der Zunahme an Single-Haushalten. Es fehlt an der familiären Bindung oder einem vergleichsweise stabilen sozialen Netz.

Je älter die Betroffenen werden, desto schlimmer macht sich oft auch die Einsamkeit bemerkbar – dennoch ist sie längst nicht nur im Alter ein Problem. Auch bei jungen Personen werden durch solche Einsamkeitsgefühle die bereits erwähnten Stresshormone ausgeschüttet. Es entsteht also chronischer Stress und dieser schwächt bekanntlich das Immunsystem. Neben psychischen Folgen, wie einer Depression bis hin zum Suizid, macht Einsamkeit also auch auf körperlicher Ebene krank und kann schlimmstenfalls sogar zu einem verfrühten Tod führen. Eine Alltagsgefahr für die Gesundheit, welche noch größtenteils im Verborgenen liegt. Jedoch rückt das Problem zunehmend in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und in London gibt es mittlerweile sogar eine spezielle „Einsamkeitsministerin“.

Handystrahlung ist krebserregend

Aktuell sind die Menschen in ihrem Alltag ständig Strahlung ausgesetzt. Dabei handelt es sich in erster Linie um Handystrahlung, denn beinahe jeder trägt rund um die Uhr ein Smartphone mit sich. Hinzu kommen Strahlungsquellen wie WLAN-Netze. Lange Zeit war umstritten, ob eine solche Form der Strahlung negative Konsequenzen für die Gesundheit hat. Zahlreiche Studien konnten mittlerweile aber belegen, dass elektromagnetische Strahlung

  • die Durchblutung sowie Temperatur der Haut verändert.
  • Schlafstörungen hervorrufen kann.
  • das Blutbild negativ beeinflusst.
  • Alzheimer und ähnliche Krankheiten fördern kann.
  • einen Hirntumor erwirken kann.
  • gewisse Krebsarten fördert.
  • Chromosomen schädigt.
  • das zelluläre Immunsystem einschränkt.

Diese sind nur einige Beispiele für die zahlreichen erschreckenden Studienergebnisse zum Thema elektromagnetische beziehungsweise Handystrahlung.

Sonnenlicht: Förderlich und riskant zugleich

Beim Sonnenlicht sind die gesundheitlichen Auswirkungen hingegen zwiegespalten: Einerseits ist es unverzichtbar für die Produktion von ausreichend Vitamin D, welches für das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Andererseits kann die enthaltene UV-Strahlung den gegenteiligen Effekt erzielen und das Immunsystem schwächen. Vermutet wird zudem ein direkter Zusammenhang mit der Bildung von Hautkrebs. Beim Tanken von Sonnenlicht kommt es also vor allem auf das „Wie“ an.

Immunsystem stärken als ganzheitliche Aufgabe

Schlussendlich ist das menschliche Immunsystem eine komplexe Angelegenheit. Wer dieses stärken möchte, muss ganzheitlich ansetzen: Die Reduktion von Stress jeder Art – vor allem auf lange Sicht – ist dabei der erste und wichtigste Schritt. Doch auch eine gesunde Lebensweise im Allgemeinen, sprich ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung, spielen eine tragende Rolle für die psychische sowie physische Gesundheit. Wer unter Magen-Darm-Problemen leidet, Antibiotika eingenommen oder eine Magen-Darm-Grippe erlitten hat, sollte die Darmflora anschließend wieder mit entsprechenden Mitteln aufbauen. Unter Umständen empfiehlt sich diesbezüglich der Rat eines Arztes oder Apothekers.

Das Immunsystem zu stärken, bedeutet zugleich, dauerhaft ausreichend zu schlafen und dabei einen festen Rhythmus einzuhalten. Das gilt auch für die Wochenenden, den Urlaub & Co. In der kalten Jahreszeit muss der Körper warm bleiben. Besonders wichtig ist dabei, dass der Bereich der Füße mit dem entsprechenden Schuhwerk warm sowie trocken gehalten wird. Wichtig sind zudem soziale Kontakte, um einer Einsamkeit entgegenzuwirken, sowie das ausreichende Tanken von Sonnenlicht. Allerdings sollte dabei niemals der Sonnenschutz fehlen, um die schädliche UV-Strahlung fernzuhalten. Und zuletzt darf das Handy guten Gewissens hin und wieder ausgeschaltet werden – denn das hilft zugleich beim Stressabbau, sodass sich der Kreis zu einem gesunden Immunsystem an dieser Stelle wieder schließt.

02.04.2019

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