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Gesundheit+Medizin

Auch E-Zigaretten beeinflussen die Blutgefäße

E-Zigarette
E-Zigarette. (Bild: ljubaphoto/ iStock)

E-Zigaretten werden oft als Hilfsmittel zur Rauchentwöhnung beworben. Welche gesundheitlichen Auswirkungen sie allerdings haben, ist bislang nur unzureichend bekannt. Forscher haben nun festgestellt, dass das „Dampfen“ für die Gefäßgesundheit ähnlich schlecht ist wie herkömmliches Rauchen. Demnach führen bereits 30 Züge an einer nikotinhaltigen E-Zigarette unmittelbar dazu, dass sich mehr Blutgerinnsel bilden, kleine Blutgefäße weniger anpassungsfähig werden und sich Blutdruck und Herzfrequenz erhöhen.

E-Zigaretten gelten oft als gesündere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten. Denn die „Dampfer“ nehmen das Nikotin nicht aus dem bekanntermaßen krebserregenden Tabakrauch auf, sondern aus einer Flüssigkeit, die im Inneren der E-Zigarette erhitzt und verdampft wird. Welche Auswirkungen dies jedoch auf die Gesundheit hat, ist bisher erst in Teilen erforscht. Während manche Studien nahelegen, dass E-Zigaretten tatsächlich nicht ganz so schädlich sind wie herkömmliche Zigaretten, deuten andere darauf hin, dass E-Zigaretten sowohl durch verschiedene Zusatzstoffe als auch durch das enthaltene Nikotin die Gesundheit ebenso schädigen wie Tabakrauch.

Dampfen mit und ohne Nikotin

Ein Team um Gustaf Lyytinen vom Karolinska Institut in Stockholm hat nun analysiert, wie sich E-Zigaretten mit und ohne Nikotin auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Ihre Ergebnisse haben die Forscher auf dem internationalen Kongress der European Respiratory Society (ERS) vorgestellt. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Konsum von nikotinhaltigen E-Zigaretten ähnliche Auswirkungen auf den Körper hat wie das Rauchen herkömmlicher Zigaretten“, fasst Lyytinen zusammen.

Untersucht hatten die Forscher 22 Gelegenheitsraucher im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, die zum Zeitpunkt der Studie keine offenkundigen gesundheitlichen Probleme hatten. Die Forscher baten ihre Probanden, jeweils 30 Züge aus eine E-Zigarette mit oder ohne Nikotin zu nehmen, wobei zwischen den Versuchen mit und ohne Nikotin mindestens eine Woche lag. Unmittelbar vor dem Dampfen sowie in festgelegten Zeitabständen danach maßen die Forscher bei ihren Probanden Blutdruck und Herzfrequenz, entnahmen Blutproben und maßen mithilfe einer Lasertechnologie, wie gut sich die kleinen Blutgefäße in der Haut weiten und zusammenziehen können.

Unmittelbare Effekte

Die Blutproben zeigten: „15 Minuten nach dem Nikotin-Dampfen stieg die Bildung von Blutgerinnseln deutlich an“, so die Forscher. Zudem beobachteten sie, dass sich die Herzfrequenz der Probanden von durchschnittlich 66 Schlägen pro Minute auf durchschnittlich 73 Schläge pro Minute steigerte und der Blutdruck von 108 mmHg auf 117mmHg stieg. Überdies verengten sich die Blutgefäße der Probanden vorübergehend und waren 30 Minuten nach der Nikotin-Exposition weniger gut in der Lage, durch Weiten oder Zusammenziehen den Blutdruck zu regulieren.

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„Diese Auswirkungen sind relevant, denn wir wissen, dass dies langfristig zu verstopften und verengten Blutgefäßen führen kann, was natürlich das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen erhöht“, sagt Lyytinen. Obwohl sich die unmittelbaren Effekte nach einer Stunde wieder normalisiert hatten, gehen die Forscher deshalb davon aus, dass das Dampfen nikotinhaltiger E-Zigaretten langfristig zu einer erhöhten Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Konsumierten die Probanden hingegen nikotinfreie E-Zigaretten, stellten die Forscher keine unmittelbaren Konsequenzen fest. „Das deutet darauf hin, dass Nikotin der Hauptverursacher der beobachteten Effekte ist“, so die Forscher. Bekannt ist bereits, dass Nikotin den Spiegel von Hormonen wie Adrenalin im Körper erhöht, was wiederum die Bildung von Blutgerinnseln fördern kann.

Andere Methoden zur Rauchentwöhnung bevorzugen

„Die Schäden, die durch das Rauchen herkömmlicher Zigaretten verursacht werden, einschließlich der Auswirkungen von Nikotin auf den Körper, sind bekannt. E-Zigaretten sind relativ neu, daher wissen wir viel weniger darüber, was sie im Körper anrichten“, sagt Jonathan Grigg, Vorsitzender der ERS, der nicht an der Forschung beteiligt war. „Diese Studie deutet darauf hin, dass nikotinhaltige E-Zigaretten zur Bildung von Blutgerinnseln führen und die Anpassungsfähigkeit der kleinen Blutgefäße beeinträchtigen können.“ Da es sich allerdings um eine sehr kleine Untersuchung handele, seien weitere Studien mit mehr Teilnehmern erforderlich.

Als Mittel zur Rauchentwöhnung hält Grigg E-Zigaretten für weniger geeignet als andere Methoden. „Manche Menschen verwenden E-Zigaretten, wenn sie versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören, weil sie als sicher vermarktet werden“, sagt er. „Diese Studie ergänzt jedoch die zunehmenden Hinweise auf die schädlichen Auswirkungen von E-Zigaretten. Andere evidenzbasierte und von der ERS empfohlene Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung, wie Pflaster oder Kaugummi, führen nicht dazu, dass die Lunge hohen Konzentrationen potenziell toxischer Verbindungen ausgesetzt wird.“

Quelle: Gustaf Lyytinen (Karolinska Institut, Stockholm, Schweden) et al., European Respiratory Society (ERS) International Congress, 2021

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