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Gesundheit|Medizin

Bluthochdruck: Bitte nicht ärgern!

Ärger
Treibt Ärger auf Dauer den Blutdruck in die Höhe? © AndreyPopov/ iStock

Hochrotes Gesicht, hohe Reizbarkeit und ein Hang zu cholerischen Ausbrüchen: Schon länger wird vor allem Männern mit Bluthochdruck nachgesagt, dass sie sich besonders schnell ärgern und dass diese Tendenz möglicherweise sogar für ihren erhöhten Blutdruck verantwortlich ist. Ob an dieser Annahme etwas dran ist, hat nun ein deutsch-schweizerisches Forschungsteam untersucht. Ihr Ergebnis: Männer mit Bluthochdruck neigen tatsächlich eher dazu, die Mimik anderer Menschen als Ärger zu interpretieren. Diejenigen, die selbst häufiger Wutausbrüche bekamen und sich leichter vom Ärger anderer anstecken ließen, zeigten zudem einige Jahre später eine Verschlechterung ihres Bluthochdrucks.

Ein zu hoher Blutdruck gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für Herzkreislauf-Erkrankungen und den Tod durch Herzinfarkt und Schlaganfall. Entsprechend wichtig ist es, einem Bluthochdruck vorzubeugen oder ihn zumindest frühzeitig zu behandeln. Das Problem jedoch: Bei der überwiegenden Mehrheit der Fälle lässt sich keine eindeutige organische Ursache finden. Fachleute sprechen dann von einer essenziellen Hypertonie. Schon länger gibt es aber die Vermutung, dass bestimmte psychische Faktoren eine Neigung zu Bluthochdruck verstärken können. Weil beispielsweise Wut und Ärger den Blutdruck von Natur aus in die Höhe treiben, besteht der Verdacht, dass eher cholerisch veranlagte Persönlichkeiten möglicherweise häufiger unter einem zu hohen Blutdruck leiden. Die Daten dazu waren jedoch bisher uneindeutig und es fehlten Informationen zur psychosozialen Komponente.

Kann Ärger den Bluthochdruck verstärken?

Deshalb haben Alisa Auer von der Universität Konstanz und ihre Kollegen nun die Ärgerreaktion von Männern mit und ohne Bluthochdruck näher untersucht. Für ihre Studie zeigten sie ihren 145 Probanden zunächst Porträtbilder von Menschen mit von unterschiedlichen Emotionen geprägten Gesichtsausdrücken. Die computertechnisch bearbeiteten Gesichter zeigten jeweils eine mimische Mischung aus zwei Gefühlsausdrücken, beispielsweise Angst und Ärger, Traurigkeit und Ärger oder Freude und Wut. Die beiden Emotionen waren dabei jeweils unterschiedlich gewichtet. Die Teilnehmer sollten nun angeben, welche Emotionen sie auf den Gesichtern sahen. Die Auswertungen dieses Experiment ergaben: “Die Hypertoniker haben häufiger Ärger erkannt als eine andere Emotion”, berichtet Auer. “Sie überschätzten den Ärger in den gezeigten Gesichtern gegenüber unserer Vergleichsgruppe mit normalem Blutdruck.”

Parallel dazu untersuchte das Forschungsteam die Neigung ihrer Probanden, selbst wütend zu werden, mit einem standardisierten psychologischen Test. Zunächst konnte sie dabei keine Auffälligkeiten feststellen: Die Männer mit Bluthochdruck reagierten im Schnitt genauso oft oder weniger oft mit Ärger wie die Probanden mit normalen Blutdruckwerten. Nachdem Auer und ihre Kollegen aber den Gesundheitszustand der Teilnehmer und vor allem deren Blutdruck über mehrere Jahre hinweg verfolgt hatten, zeigte sich doch eine Auffälligkeit: Bei denjenigen, die schneller wütend wurden, stieg der Blutdruck im Laufe der Zeit deutlicher an als bei den Männern, die zwar sensibler auf den vermeintlichen Ärger anderer reagierten, aber nicht selbst wütend wurden, wie das Team berichtet.

Ansatz für bessere Vorbeugung und Therapie

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass Wut und Ärger offenbar tatsächlich eine Rolle für die langfristige Blutdruckentwicklung spielen können. “Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass es bei Männern mit essenziellem Bluthochdruck eine verzerrte Ärgerwahrnehmung gibt – und dass diese Überschätzung des Ärgers bei anderen, gekoppelt mit einer Neigung zu eigenem Ärger, den längerfristigen Anstieg des Blutdrucks fördert”, konstatieren Auer und ihre Kollegen. Sie hoffen, dass diese Erkenntnisse künftig auch bei der Vorbeugung und Behandlung von Betroffenen helfen können. Denn bisher können Bluthochdruck-Medikamente nur die Folgen der Hypertonie abschwächen, nicht aber ursächlich wirken.

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„Ein nächster Schritt wäre dann, dass Personen mit essenzieller Hypertonie gezielter unterstützt werden können“, sagt Auer. Dies könnte beispielsweise durch gezielte Psychotherapien geschehen, die Betroffenen dabei helfen, ihre eigenen cholerische Ader zu besänftigen. Auch ein Training, durch das diese Männer ihre übersteigerte Wahrnehmung von Ärger bei anderen korrigieren lernen, könnte möglicherweise helfen. Doch was ist mit den Frauen? Bisher hat sich das Forschungsteam nur auf Männer konzentriert, weil diese häufiger an Bluthochdruck leiden. Sie hoffen aber, nun in Folgestudien auch die Ärgerreaktionen von Frauen mit und ohne Hypertonie untersuchen zu können.

Quelle: Alisa Auer (Universität Konstanz) et al., Annals of Behavioral Medicine; doi: 10.1093/abm/kaab108

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