Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin

Der Geruchssinn und die Erinnerungen – das passiert in unserem Kopf

Symbolbild Geruchssinn
Bestimmte Düfte triggern unser Erinnerungsvermögen, rufen Emotionen hervor. Ursächlich dafür ist das limbische System. (Bild: pixabay.com, PublicDomainPictures)
Gerüche wecken häufig bestimmte Erinnerungen in uns, denn die Nase und die Gedächtnisleistung sind laut wissenschaftlichen Erkenntnissen miteinander verknüpft. Bestes Beispiel: die Sonnencreme. Wer die Creme öffnet, nimmt den typischen Geruch wahr und verknüpft dies mit Sonne, Wasser, Strand und Sand. Aber warum ist das so? Forscher der Michigan State University haben es in einer Studie herausgefunden.

Nase und Gehirn direkt miteinander verknüpft

Das Riechorgan und das Emotionszentrum sind direkt miteinander verknüpft, was die Erinnerungsfunktion durch den Duft-Trigger erklärt. Forscher der Michigan State University haben in einer Studie zur Demenz und Nasenkraft Erstaunliches festgestellt: Studienteilnehmer, die eine verminderte Riechleistung hatten, hatten eine erhöhte Sterberate von 46 %. Bei Teilnehmern, die einen guten Geruchssinn aufwiesen, war die Sterberate deutlich geringer.

Die Nase und das Gedächtnis sind miteinander verknüpft, werden über das limbische System getriggert. Es spielt eine essenzielle Rolle, wenn es um die Emotionsverarbeitung geht. Deshalb assoziieren wir mit bestimmten Düften (eine große Auswahl beispielsweise erhältlich auf parfumdreams) bestimmte Emotionen und Erlebnisse.

Erinnerungen durch Düfte

Düfte prägen unser ganzes Leben, in der Küche, bei der Partnerwahl oder in anderen Situationen. Häufig wird der Duft eines frischen Apfelkuchens beispielsweise mit wohlig-warmen Emotionen aus Kindheitstagen in Zusammenhang gebracht, denn nicht selten hat die Großmutter die Lieblingsspeise der Kinder gebacken. Ähnlich sieht es auch bei den Parfümgerüchen in Zusammenhang mit bestimmten Menschen aus. Wer mit dem Ex-Partner schlechte Erfahrungen verknüpft und dieser immer ein bestimmtes Parfüm nutzte, wird häufig beim Wahrnehmen dieses Duftes urplötzlich mit schlechten Erinnerungen konfrontiert.

Gleiches gilt, wenn ein bestimmter Duft mit positiven Erlebnissen assoziiert wird. Wer einen bevorzugten Duft wahrnimmt, aktiviert damit seinen Hippocampus sowie die Amygdala. Forscher haben dies sogar durch Wiedergabe per Magnetresonanztomografie nachweisen können.

Anzeige

Riechen als Überlebensstrategie

Der Geruchssinn wurde noch vor dem Höheren und Sehen in der Evolutionsgeschichte ausgeprägt. Er diente und dient nach wie vor als echter Überlebenskompass, u. a. bei der Partnerwahl oder bei der Auswahl von Nahrungsmitteln. Nehmen wir beispielsweise den Geruch von verdorbenem Essen wahr, würden wir uns dies nie freiwillig in den Mund stecken, denn unser Körper hat eine eingebaute Warnfunktion.

Jeder kennt diesen typischen Geruch von faulen Eiern oder der leicht säuerlichen Note, wenn es um verdorbene Salate geht. Diese Wahrnehmung löst in uns ein Gefühl Unbehagens und der Abneigung aus. Wir wissen instinktiv, dass diese Speisen womöglich nicht mehr zum Verzehr geeignet sind und unserem Körper schaden würden.

Deshalb müssen wir unseren Partner riechen können

Der Duft spielt auch bei der Partnerwahl eine wesentliche Rolle. Die Geruchsattraktivität entscheidet darüber, wer zu uns passt: wo die Chemie sprichwörtlich stimmt. Im Tierreich ist die Partnerwahl über den Geruch längst wissenschaftlich nachgewiesen – das konnte auch Claire Dandine-Roulland (Université Paris Diderot) mit ihren Kollegen bestätigen.

Sie stellten einige Studien für die Partnerwahl an und stellten fest, dass unsere Gene mitverantwortlich für die Geruchsattraktivität sind. Getestet wurde das Erbgut von 383 Ehepaaren aus Deutschland, Großbritannien, Spanien, den Niederlanden, Belgien sowie Israel. Dabei zeigte sich, dass bei den meisten Paaren eine MHC-Unähnlichkeit zu erkennen war.

Die Immungene der Paare waren unterschiedlich, was darauf schließen lässt, dass wir uns einen Partner mit gegensätzlichen Immungenen aussuchen. Allerdings bestand bei den Teilnehmern aus Israel eine Ausnahme, denn hier konnte keine Präferenz bei der Partnerwahl in Abhängigkeit der MHC-Gene festgestellt werden. Ein weiteres Indiz, dass der Duft zwar die Partnerwahl beeinflusst, jedoch auch sozio-kulturelle Gegebenheiten eine wesentliche Rolle spielen.

Das Ortungssystem Nase bewusst trainieren

Manchmal kann es durch unterschiedliche Ursachen und Umstände zur Störung des Ortungssystems Nase kommen. Häufige Ursachen dafür sind Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder Atemstörungen. Sind solche Symptome abgeklungen, stellt sich der Riechsinn meist wieder von allein ein.

Allerdings kann jeder selbst an der Sensibilität seiner Nase arbeiten, beispielsweise mit ganz gezieltem Geruchstraining. Durch dieses Training kann das Riechvermögen sensibilisiert und gesteigert werden. Experten empfehlen dafür einen Schnupperparcours, der ganz bewusst und in Ruhe absolviert wird.

Durch das gezielte Riechtraining werden Bilder im Kopf mit bestimmten Düften verknüpft. Das Riechen an Rosenwasser ruft häufig das Bildnis einer Rose ins Gedächtnis. Gut kann es auch sein, mehrere Gerüche miteinander zu kombinieren, denn dadurch wird die Aktivität im Gehirn gesteigert. Eine orientalische Duftmischung vereint viele prägnante Duftnoten, die es zu erkennen gilt. Dadurch wird die Leistung im Gehirn angeregt, die Nervenbahnen stimuliert.

Praktische Tipps, um den Geruchssinn zu trainieren

Mit regelmäßigen Duftproben kann der Geruchssinn trainiert werden, denn die Sinneszellen werden dadurch neu gebildet. Am besten mit intensiven Gerüchen beginnen: Zwiebeln, Kaffee oder Eukalyptus eignen sich als intensive Gerüche besonders gut dafür. Die Duftproben lassen sich optimal in Einmachgläser lagern. Für das Dufttraining am besten täglich vier verschiedene Geruchsstoffe wählen, zehn Minuten daran riechen und dann wieder verschließen und wegstellen. Schnuppern genügt völlig, um den Trainingseffekt zu intensivieren.

Empfehlenswert ist solch eine Testprozedur über ca. vier Monate, denn der Geruchssinn benötigt Zeit, um sich zu konditionieren und zu verbessern. Nach dieser Zeit kann es an das sensitivere Training gehen. Neben den besonders intensiven Düften kommen nun auch feinere Noten hinzu. Vanille, Ananas oder Kakao eignen sich optimal. Langsam darf der Geruchssinn auch etwas mehr herausgefordert werden, beispielsweise mit Noten, die besonders eng in der Duftfamilie beieinanderliegen.

Auch hier gilt es, die Sensibilisierung über einen längeren Zeitraum zu üben, immer wieder neue Duftnoten ins Repertoire aufzunehmen. Dann kann es in das blinde Duft-Training übergehen. Hierbei werden die Noten mit verschlossenen Augen geschnuppert, um herauszufinden, ob die bildliche Verknüpfung mit dem Geruchssinn bereits gut funktioniert.

Wer selbst feinste Duftnuancen und Unterschiede zwischen Brombeeren, Erdbeeren oder Himbeeren unterscheiden kann, weiß, dass sein feines Näschen wieder optimal funktioniert und der Geruchssinn ausgeprägt ist.

Quelle: u. a. Maximilian Puelma Touzel (Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation)

23.04.2021

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Me|nor|rha|gie  〈f. 19; Med.〉 zu starke Menstruation [<grch. men ... mehr

gy|nä|ko|lo|gisch  〈Adj.〉 zur Gynäkologie gehörend, auf ihr beruhend, mit ihrer Hilfe

p. a.  〈Abk. für〉 1 per annum 2 〈veraltet〉 pro anno ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige