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Gesundheit+Medizin

Nobelpreis für den Kampf gegen Parasiten

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Illustration zum Medizin-Nobelpreis 2015 (Foto: Nobel Foundation)
Riesige Erfolge gegen böse Winzlinge: Der diesjährige Medizin-Nobelpreis geht zu gleichen Teilen an Wissenschaftler, die neue Therapien gegen gefährliche Wurm-Parasiten ermöglicht haben und an eine Malaria-Forscherin. William C. Campbell und Satoshi Ōmura lieferten der Menschheit Waffen im Kampf gegen Flussblindheit und Elephantiasis und die Ergebnisse von Youyou Tu retten vielen Malariapatienten das Leben.

Krankheiten, die durch Parasiten verursacht werden, sind eine enorme Gesundheitsbedrohung für die Menschheit: Besonders in armen Bevölkerungsgruppen der Welt sind jährlich Hunderte Millionen von Menschen von diesen parasitären Erkrankungen betroffen – sie bilden damit eine erhebliche Barriere für ihre Entwicklungschancen. Fortschritte auf diesem Gebiet repräsentieren deshalb nicht nur eine Erleichterung für persönliches Leid, sondern kommen auch der ganzen Weltgemeinschaft zu Gute, betont das Nobelpreiskomitee.

Erfolg gegen Flussblindheit und Elephantiasis

Die Erfolge des US-Amerikaners Willim C. Campbell und des Japaners Satoshi Ōmura richteten sich dabei gegen parasitäre Würmer, sogenannte Helminthen. Schätzungen zufolge ist von ihnen ein Drittel der Weltbevölkerung befallen – vor allem Menschen in Afrika, Süd-Asien und Mittel- und Südamerika. Besonders zwei gefürchtete Erkrankungen werden durch diese Organismen verursacht: Bei der sogenannten Filariose beziehungsweise Elephantiasis entstellen riesige Schwellungen die Betroffenen und verursachen schlimme Schmerzen. Ähnlich hart trifft Menschen die sogenannte Flussblindheit, die zu einem völligen Verlust der Sehfähigkeit führen kann. Die Forschungsarbeiten von William C. Campbell und Satoshi Ōmura haben zum Einsatz von Derivaten des Wirkstoffs Avermectin geführt, welche die Bedrohungen durch Flussblindheit und Elephantiasis deutlich verringern konnten. Der Wirkstoff stammt ursprünglich von dem Bodenbakterium Streptomyces avermitilis. Ōmura richtete das Interesse auf die Wirkstoffe dieser Mikroben und Campbell konnte anschließend zeigen, dass eine bestimmte Substanz  – das Avermectin –  Wurmparasiten tötet. Später entwickelte sich daraus der modifizierte Wirkstoff Ivermectin. Die Behandlung ist so erfolgreich, dass die Krankheiten durch Wurmparasiten möglicherweise damit sogar eines Tages ausgerottet werden könnten.

Weniger Malaria-Opfer

Ähnlich bedeutsam sind die Erfolge der chinesischen Pharmakologin Youyou Tu im Kampf gegen die Malaria, sagt das Nobelpreiskomitee. Seit Urzeiten plagt diese durch Stechmücken übertragene Erkrankungen die Menschheit. Die verantwortlichen einzelligen Parasiten dringen dabei in rote Blutkörperchen ein, was zu Fieber und in schweren Fällen zu Hirnschäden und zum Tod führen kann. Schätzungen zufolge fordert Malaria jährlich 450.000 Menschenleben – vor allem Kinder sind betroffen.

Malaria-Infektionen wurden lange durch Chloroquin oder Chinin behandelt – doch die Erfolge schwanden. Youyou Tu suchte deshalb unter traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln nach neuartigen Wirkstoffen für Malaria-Therapien. So stieß sie auf Extrakte aus der Pflanze Artemisia annua. Tu konnte schließlich zeigen, dass der später Artemisinin genannte Wirkstoff Malaria-Parasiten den Garaus machen kann. Aus dem Artemisinin entwickelte sich anschließend eine ganz neue Klasse von Antimalaria-Wirkstoffen, die Infizierten effektiv helfen können. In Kombinationstherapie mit anderen Medikamenten  können sie die Sterblichkeitsrate bei Malaria um mehr als 20 Prozent und bei Kindern um mehr als 30 Prozent senken. Allein in Afrika rettet Artemisinin damit mehr als 100.000 Menschenleben jährlich.

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Das Fazit der Nobelpreiskomitees lautet: Die Entdeckungen von Avermectin und Artemisinin haben die Therapiemöglichkeiten für Patienten mit verheerenden parasitären Krankheiten revolutioniert. Der Wert der Entdeckungen von Campbell, Omura und Tu für die Menschheit ist deshalb unermesslich, resümiert die Nobel Foundation in ihrer Presserklärung.

Quelle:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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