
Wissensbuch des Jahres 2023 in der Kategorie ÄSTHETIK
Dieses Buch ist wie der Blick durchs Super-Mikroskop. In „Mikrokosmos. Wunderwelt der kleinsten Lebewesen“ spazieren Leserinnen und Leser durch eine scheinbar fremde Welt. Im Coffee-Table-Book-Format wird ganz groß, was wir Menschen sonst nie so sehen könnten: bunte Darmbakterien, Mückenlarven oder Käfer mit Fühlern, die jeder Funkstation Paroli bieten. Beim Schmökern verfliegt der bei vielen sicher vorhandene Ekel vor allem, was kreucht und fleucht. In den thematisch sortierten Kapiteln – von Nahrungsquellen über Vermehrung bis zu den Lebensräumen – reiht sich eine Kuriosität an die andere. Ein Segen, dass es das mehrköpfige Autoren-Team bei kurzen Info-Texten belässt und den Bildern ganz viel Raum gibt. So werden selbst Krankheitserreger wie Coronaviren oder Umweltplagen wie die Algenblüte zu beeindruckenden Phänomenen, die man zwar nicht mögen muss, aber nach der Lektüre besser versteht. Manches Motiv erstreckt sich über eine ganze Doppelseite, ergänzt durch kleine Grafiken fürs Verständnis. Die zungenähnliche Radula von Schnecken etwa erinnert in der Mega-Aufnahme an ein futuristisches Korallenriff. Die Augen der Soldatenfliege dagegen sehen aus wie verwaschene Batik-Shirts, sie stellen zwar nicht richtig scharf, können aber die kleinste Bewegung wahrnehmen. Auch deshalb kommt die Fliegenklatsche oft zu spät. Wobei Sie nach der Lektüre von „Mikrokosmos“ zwei Mal überlegen, ob Sie sie nochmal einsetzen wollen. Das Buch ist eine Einladung niederzuknien vor der Welt der Kleinsten – aus Demut und aus Neugier. Lukas Meyer-Blankenburg
Derek Harvey, Elizabeth Wood, Michael Scott, Tom Jackson, Bea Perks
MIKROKOSMOS
Wunderwelt der kleinsten Lebewesen
Übersetzt von Michael Kokoscha
Dorling Kindersley, 336 S., € 39,95
ISBN 978-3-8310-4456-6





