Bis etwa 2019 lag die Klimasensitivität der wichtigsten und am weitesten entwickelten Klimamodelle bei etwa 2 bis 4,5 Grad Celsius. Und auf jene Werte stützen sich auch die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen. Im Prinzip bilden sie somit die Datengrundlage für so ziemlich alle aktuellen Pläne zur Eindämmung des Klimawandels.
Doch als 2019 die Klimasensitivitäten der neusten Versionen der Modelle bestimmt wurden, wiesen 10 der insgesamt 55 verwendeten Modelle eine Klimasensitivität von mehr als 5 Grad Celsius auf. Falls diese Zahl korrekt ist, würde das im Grunde bedeuten, dass die Situation auf unserem Planeten doppelt so schnell zur Hölle fahren würde wie erwartet.
Nun fragen Sie sich wahrscheinlich: Wenn das schon seit über fünf Jahren bekannt ist, warum hat man dann noch nie etwas davon gehört? Weil die Klimawissenschaftler zu dem Urteil kamen, dass mit den Modellen, die eine höhere Klimasensitivität aufweisen, etwas nicht stimmen kann. In der Literatur wurde dies als Problem der „heißen Modelle“ bezeichnet, und die Klimawissenschaftler argumentierten, dass diese heißen Modelle unrealistisch seien, weil eine so hohe Klimasensitivität nicht mit den historischen Daten vereinbar sei.
Grundlage für diese Argumentation bildete eine umfangreiche Studie aus dem Jahr 2020, laut der die historischen „Paläoklimadaten“ der vergangenen paar Millionen Jahre zu einer Klimasensitivität von 2,6 und 3,9 Grad Celsius passen. Und infolgedessen wird in den neueren IPCC-Berichten die Relevanz der Klimamodelle danach beurteilt, wie gut die Modelle mit den historischen Daten übereinstimmen. Die Modelle mit der hohen Klimasensitivität tragen seitdem also weniger zum Gesamtergebnis bei.
Für mich klang das zunächst vernünftig und logisch. Denn wenn ein Modell nicht mit früheren Aufzeichnungen übereinstimmt, stimmt etwas nicht. Doch dann lernte ich Folgendes: Der Hauptunterschied zwischen den heißen Modellen und den übrigen Modellen besteht darin, wie sie die physikalischen Prozesse beschreiben, die in Wolken ablaufen. Abweichungen gibt es besonders hinsichtlich der sogenannten unterkühlten Phase des Wassers innerhalb der Wolken. In dieser Phase bleibt das Wasser flüssig, obwohl seine Temperatur unter dem Gefrierpunkt liegt.
Die Klimamodelle liefern also unterschiedliche Aussagen darüber, wann sich das Wasser in den Wolken in einer unterkühlten Phase befindet und wann es zu Eiskristallen gefroren ist. Das Problem daran ist, dass das Reflexionsvermögen der Wolken – und damit ihr Einfluss auf das Klima – genau davon abhängig ist.
Die Frage ist nun: Können wir sicher sein, dass sich die Wolken vor ein paar Millionen Jahren genau so verhalten haben, wie es die heutigen Wolken tun? Viele Daten haben wir dazu nicht. Denn leider haben die Dinosaurier vergessen, ihre Satellitenbilder in der Cloud zu sichern, bevor sie ausstarben.





