Die Schönheit der Technik - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie

Die Schönheit der Technik

Uhrwerk
Die technische Perfektion einer Uhr zeigt sich in ihrer ganz eigenen faszinierenden Ästhetik. (Foto: KittyKat / Fotolia.com)
Technischen Gebilden, Mechanismen, Geräten und Strukturen wohnt eine besondere Faszination inne. Oft besitzen sie dabei auch eine starke ästhetische Qualität. In ihnen werden wissenschaftliche Erkenntnisse sichtbar und sie spiegeln Präzision, Komplexität, oder auch das handwerkliche Geschick der Hersteller wider. Doch weshalb empfinden wir technische Dinge als schön?

Technik ist etwas künstliches, etwas von Menschen gemachtes. Sie folgt ganz klar logischen Schlussfolgerungen, wissenschaftlichen Erkenntnissen, physikalischen Gesetzen. Technische Maschinen und Apparate dienen einer Funktion. An dieser orientiert sich gleichzeitig auch ihre Gestaltung. Sie zeigt sich „funktional“. Oft sind es die technischen Abläufe selbst, welche die Form eines Gerätes grundlegend vorgeben. Die technische Gestalt wird damit zur Manifestation ihrer eigenen Funktion. Und diese übt auf uns oft einen unwiderstehlichen ästhetischen Reiz aus.

Die Ästhetik des Künstlichen

Technik kann auf uns Menschen kompliziert und komplex wirken. Nüchtern, kühl, präzise, fortschrittlich, abstrakt – das sind weitere Attribute, die wir damit verbinden. Allesamt sehr rationale Eigenschaften. Wie lässt sich dies mit einer ästhetischen Qualität in einen Zusammenhang setzen – ein Faktor, der sich weniger objektiv bestimmen lässt?

Die Geschichte der Ästhetik ist so wechselhaft wie die Entwicklungen der Menschheit selbst. So befasst sich die Ästhetik nicht nur mit „schönen“ Dingen. Vielmehr geht es dabei allgemein darum, wie wir Dinge grundsätzlich wahrnehmen und ästhetisch bewerten.

Lange bezeichnete der Begriff die „Lehre von der Wahrnehmung oder vom sinnlichen Anschauen“ und bezog sich dabei vor allem auf natürliche Dinge. Erst später bezogen philosophische Ansätze auch vom Menschen gemachte Gegenstände oder Kunstwerke in die ästhetische Betrachtung mit ein. Auch handwerklichen Erzeugnissen – egal ob Werkzeuge, Bauwerke, Skulpturen oder Gemälde – können demnach ästhetisch bewertet werden.

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Technik vs. Natur – was ist schöner?

Immer wieder gab es in den verschiedensten Kulturkreisen den allgemeinen Konsens, dass die Natur die schönsten Formen hervorbringe. Zweifellos wird niemand die besondere Ästhetik eines beeindruckenden Sonnenuntergangs, der unglaublichen Vielfalt der Blumen- und Tierwelt oder der schlichten Schönheit einer weiten Landschaft in Zweifel ziehen.

Die Schönheit der Natur hat den Menschen schon immer in ihren Bann gezogen. Doch genauso kann uns auch die Technik faszinieren und mit ihrer einzigartigen Ästhetik begeistern. Wer hier in diesem ungleichen Duell als Sieger hervorgeht, ist allerdings unwichtig und vermutlich gibt es niemals eine eindeutige Entscheidung. Tatsächlich ist es vielmehr die emotionale Erregung an sich, die eine ästhetische Qualität zum Ausdruck bringt:

  • Die wichtigste Grundlage für ein ästhetisches Empfinden ist, dass etwas überhaupt erst eine bestimmte Emotion in uns auslöst – ganz egal, ob positiver oder negativer Natur. Auch das Betrachten „hässlicher“ oder irritierender Formen kann uns in den Bann ziehen und Vergnügen bereiten.
  • Somit lässt es sich auch erklären, dass sowohl natürliche als auch künstliche Dinge uns begeistern können.

Die Frage nach dem „Schöneren“ ist deshalb in der Ästhetik nicht die richtige. Egal, ob es sich um ein natürliches oder ein technisches Ding handelt, beides kann uns begeistern.

Die Natur als Vorbild

Nichts desto trotz orientieren sich die Menschen seit jeher an der Ästhetik der Natur – gerade auch, wenn es darum geht, neue Materialien zu entwickeln oder technische Geräte zu konstruieren. Natur und Technik hängen in der Wissenschaft untrennbar miteinander zusammen. Wir versuchen dabei, Regeln, Gesetzmäßigkeiten, Ordnungsstrukturen oder Ähnliches in der Natur zu ergründen und sie auf unsere eigenen Kreationen zu übertragen. Denn am Ende folgt die Technik in vielen Fällen überwiegend den Naturgesetzen.

Mit den funktionalen Vorteilen vieler Formen aus der Natur, die sich oft durch eine bestmögliche Effizienz auszeichnen, übernehmen wir dabei auch oft die damit verbundene Ästhetik. Im Laufe der Jahrbillionen haben sich im Zuge der Evolution perfekte Lösungen für die unterschiedlichsten Anforderungen und Lebensbereiche in der Natur herausgebildet. Stets verknüpft mit der dafür perfekten Form.

Faszinierend ist, dass sich diese Effizienz in einer unglaublichen formalen Vielfalt zeigt. Neben unserer Begeisterung für die Schönheit von Insektenflügeln, der perfekten Anordnung der einzelnen Blätter einer Blüte oder dem geordneten Chaos innerhalb eines riesigen Vogelschwarms empfinden wir auch ihre Effizienz ganz nüchtern betrachtet als ästhetisch schön.

Faszination für Schaffenskraft und Innovationsgeist

Das Übertragen bestimmter Prinzipien auf technische Gebilde ist dabei stets ein intellektueller Akt. Die unglaublichen technischen Errungenschaften in all ihren Formen zeugen vom Fortschrittswillen des Menschen und seiner Fähigkeit zum Kreieren (technischer) Innovationen. Auf gewisse Weise könnte diese Faszination für die Schönheit der Technik auch als Honorierung einer intellektuellen Leistung beschrieben werden.

Die ästhetischen Elemente der Technik

Schönheit ist zweifelsohne eine subjektive Qualität. Dennoch gibt es gewisse Regelmäßigkeiten, die immer wieder mit einer positiven Ästhetik in Zusammenhang gebracht werden. Sie sind nicht unbedingt als „Gestaltungsregeln“ zu begreifen. Dennoch stecken dahinter Kriterien, die wir Menschen überwiegend mit einer „schönen“ Form oder Gestalt in Verbindung bringen. Die folgenden Punkte zählen dazu:

  • Regelmäßigkeit/Wiederholung: Die Reihung mehrerer gleichförmiger Elemente erzeugt einen gewissen Rhythmus – eine Anordnung, die wir meist als schön empfinden. Sich wiederholende Fassadenelemente in der Architektur, die zahllosen Lamellen, die sich kreisförmig zu einer Turbine zusammenfügen oder die endlos aufgereihten Knöpfe an einem Mischpult sind Beispiele dafür.
  • Ausgewogene Proportionen: Der goldene Schnitt ist wohl die bekannteste „Regel“ für harmonische Proportionen und nicht zuletzt auch in der Natur zu finden. Für die Gestaltung technischer Geräte ist er aber nicht nur aus ästhetischer Hinsicht eine gute Wahl. Die zugrundeliegenden mathematischen Proportionen sind oft auch konstruktiv von Vorteil.
  • Symmetrie: Symmetrie ist ebenfalls ein Prinzip, das wir mit Schönheit verbinden. Es sorgt für Ordnung und Ausgeglichenheit – egal ob es sich dabei um die achsen‑ oder rotationssymmetrische Variante handelt.

Allen diesen ästhetischen „Grundlagen“ liegen gewisse mathematische Regeln zugrunde. Regeln also, die wir auch zur Gestaltung technischer Dinge einsetzen können. Wenn wir etwas betrachten und versuchen es (visuell) zu erfassen, suchen wir dabei stets nach bekannten Mustern. Sie dienen uns als wichtige Anhaltspunkte und machen uns die Orientierung in unserer komplexen Welt einfacher. Gerade technische Gebilde folgen oft den mathematischen Regelmäßigkeiten und wirken auf uns deshalb vermutlich auch meist schön.

Die Schönheit der Technik hat viele Gesichter

Technische Gegenstände begegnen uns heute in einer riesigen Fülle und dabei auch in unterschiedlichster Gestalt. Industrielle Funktionsbauten oder eindrucksvolle Motoren und Turbinen zählen hier ebenso dazu, wie der Tanz der Roboterarme in modernen Produktionsanlagen oder die abstrakten Muster auf elektrischen Platinen. In den Konstruktionen zeigt sich die Ästhetik der Technik auf vielfache Weise. Ganz unterschiedliche Punkte können uns dabei faszinieren und staunen lassen.

Die Ästhetik der Technik basiert vor allem darauf, dass sie abstrakten Objekten oder Vorgängen ein visuelles Gesicht verleiht. Auf diese Weise werden sie für uns Menschen oft erst greifbar und erfahrbar – selbst, wenn wir nicht immer verstehen können, wie das Ganze funktioniert.

Die Schönheit der Funktion

Maschinen und Geräte dienen oft einem bestimmten Zweck, deren Funktionsweise komplexen Gesetzen und Regeln folgt. Viele technische Dinge machen die damit verbundenen Vorgänge und Abläufe auf ganz eindrucksvolle Weise sichtbar.

Eine Uhr ist dabei ein Musterbeispiel für die Verbindung von Funktion und Ästhetik. Auf den ersten Blick wird bei Zeigeruhren ihr Zweck als Zeitmesser und ‑anzeiger klar. Ihr Aufbau folgt klar den notwendigen technischen Vorgaben – dennoch erlauben sie eine unglaubliche Gestaltungsvielfalt und spiegeln ihre Präzision wider.

Im Laufe der Zeit ist nicht nur in Bezug auf den Antrieb, sondern auch was den Funktionsumfang oder die eingesetzten Materialien betrifft, eine große Vielfalt unterschiedlicher Typen entstanden. Dennoch stimmen die Uhren in ihren grundlegenden Elementen miteinander überein:

Die Schönheit der Perfektion

Die runde Form in der sich die Zeiger unendlich drehen können ist die perfekte Projektionsfläche für das Anzeigen der Uhrzeit. Es sind in der Regel nur einzelne einfache Bedienelemente, mit der sich unterschiedliche Funktionen anzeigen oder einstellen lassen.

Manche Exemplare ermöglichen einen Einblick in die Vorgänge im Inneren und das Uhrwerk ist sichtbar. Auch, wenn sein komplexer Aufbau für Laien nicht zu durchschauen ist, spiegeln die präzise ineinandergreifenden Zahnrädchen und das regelmäßige Hin- und Her der Unruh dennoch unmissverständlich ihre Funktion wider: Das Erfassen und exakte Wiedergeben eines so flüchtigen Elementes wie der Zeit.

Gleichzeitig wird hier aber auch die unglaubliche Perfektion deutlich, mit der ein solch filigranes Gebilde arbeitet. Jedes Teil hat seine Notwendigkeit und Bestimmung, nichts ist zu viel. Ähnlich wie ein Gebilde der Natur greifen Funktion und Form auf perfekte Weise ineinander über. Darüber hinaus zeugt ein handwerklich hergestelltes Exemplar vom technischen Know-how und dem Können der Uhrmacher.

Die Schönheit der Komplexität

Auch Komplexität kann uns faszinieren. Die Uhr ist hier mit ihrem Antriebswerk nochmals ein eindrucksvolles Beispiel. Je nach Antriebsart oder auch dem Funktionsumfang kann ein mechanisches Uhrwerk aus mehreren hundert Einzelteilen bestehen. Sie alle arbeiten auf faszinierende Weise zusammen und ihre gleichmäßigen Bewegungen – teils in unterschiedlichen Geschwindigkeiten – deuten an, wie der komplexe Mechanismus im Hintergrund arbeitet.

Ein anderes komplexes Gebilde in einer etwas größeren Dimension ist eine Industrieanlage. Wer schon einmal die unzähligen Rohrleitungen, die sich scheinbar chaotisch über viele Etagen und oft kilometerweit um die Gebäude eines Chemiewerks schlängeln aus der Nähe betrachten konnte, weiß um die besondere Ästhetik dieser Architektur.

Zwar können wir dabei als Laien nur oberflächlich bestimmte Muster erkennen, die Leitungen folgen schließlich größtenteils einer rechtwinkligen Anordnung. Dennoch bleibt ihre eigentliche Funktion meist unklar, zu groß und unübersichtlich sind die Dimensionen der Anlagen, die nicht selten ganze Stadtteile einnehmen. Trotz allem wirken die technischen Gebilde – erst recht im Dunkeln mit zusätzlicher Beleuchtung – in gewisser Weise schön.

Teilansicht einer Leiterplatte
Eine Platine erinnert bisweilen an ein abstraktes Gemälde. (Foto: BillionPhotos.com / Fotolia.com)

Die Schönheit der Abstraktion

Verschiedene technische Errungenschaften, vor allem im Bereich des Digitalen, entziehen sich den gewohnten visuellen Formen. Die Funktionen und Abläufe, die sich dahinter verbergen sind aber auch ungleich abstrakter und „immaterieller“. Die Rechenvorgänge und elektronischen Impulse folgen einer ganz eigenen Logik und finden vor allem im Unsichtbaren statt.

Dennoch hat beispielsweise eine elektrische Platine mit ihrem aufgedruckten, scheinbar völlig chaotischen Muster eine gewisse ästhetische Qualität. Die Anordnung der einzelnen Bauteile und der verbindenden elektrischen Leiterwege folgt trotz allem einer bestimmten Logik und einem speziellen Raster.

Die Schönheit des Unbekannten

Solche Leiterplatten begegnen uns in der Regel nicht in unserem Alltag und doch bieten sie ein abstraktes Bild der Vorgänge innerhalb eines Computers. Die digitale Welt betritt bei der Gestaltung in gewisser Weise Neuland. Abseits des Analogen und Natürlichen gibt es für viele digitale Produkte noch keine Form oder eine natürliche Entsprechung.

Dennoch können wir auch ganz neuen Formen für technische Dinge, die es bisher einfach noch nicht gab eine gewisse Ästhetik abgewinnen. Nicht zuletzt sicherlich, weil auch hier die Gestaltung immer wieder den grundlegenden Regeln folgt.

Bewusste und unbewusste Schönheit des Technischen

Nicht immer werden technische Gegenstände bewusst gestaltet. In manchen Fällen entsteht ihre Form ausschließlich aus der funktionalen Notwendigkeit heraus. Gerade bei elektrischen Geräten spielt die Ästhetik der einzelnen technischen Komponenten zunächst eine untergeordnete Rolle. Sie verschwinden hinter der Fassade eines Gehäuses, das dann einerseits als optisch ansprechendere Hülle dient und andererseits die Funktion einer Benutzerschnittstelle übernimmt. Das Gehäuse wird deshalb sehr wohl gestalterisch berücksichtigt, weniger aber die zugrundeliegende Technik des Geräts.

Funktion als Designmaxime

Dabei steht gerade im Bereich der Technik die Funktion bei der Gestaltung stets im Vordergrund. „Form follows function“ – dieses Designprinzip wurde erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Architektur von Hochhäusern angesprochen und wird bis heute immer wieder als Gestaltungsrichtlinie bemüht. Dennoch ist dieser Grundsatz nicht neu, denn gerade in der Natur folgt die Formenvielfalt ja ausschließlich dieser Maxime.

Nachdem der Architekt Louis Sullivan die Orientierung an der Funktion als Konstruktionsgrundlage für Hochhäuser proklamiert hatte, wurde der Grundsatz „form follows function“ allerdings auch weit dogmatischer interpretiert. Das Bauhaus als „Wiege des deutschen Designs“ etwa forderte dabei einen völligen Verzicht zusätzlicher Ausschmückungen – beispielsweise in Form von Ornamenten. Die Reduktion auf das Wesentliche war ihnen oberstes Gebot.

So entstanden in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zahllose klassische Entwürfe im Bereich Produktdesign, die nicht zuletzt aufgrund ihrer kühl-technischen und auf die Funktion reduzierte Gestaltung bis heute modern aussehen.

Die gute Industrieform

Der Deutsche Bundestag hatte in den 1950er Jahren die Gründung einer Stiftung, namens Rat für Formgebung, beschlossen, den es bis heute gibt. Neben verschiedenen Architekten und Gestaltern zählten auch Industriebetriebe wie AEG, Siemens oder WMF zu den Mitgliedern des Rats. Die Stiftung sollte nicht nur als Austauschplattform dienen, sondern vor allem auch die „gute“ Gestaltung von Architektur und Alltagsgegenständen fördern. Das Schaffen „kulturelle(r) wie wirtschaftliche(r) Werte“ stand dabei im Mittelpunkt.

Gut gestaltete Industrieerzeugnisse wurden dann in Deutschland 1953 erstmals auf der Hannover Messe im Rahmen einer Sonderschau gezeigt. Diese entstand in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle zur Förderung deutscher Wertarbeit e.V. – 1959 bekam die seither regelmäßige Präsentation den Namen „Die gute Industrieform“. Aus dieser Verbindung entstand später die iF International Forum Design GmbH, die bis heute den begehrten iF-Award für besondere Leistungen bei der Produktgestaltung vergibt – auf internationaler Ebene.

Bis heute genießt „Deutsches Design“ mit einem starken Bezug auf die Bauhaus-Schule international einen exzellenten Ruf. Der Porsche 911 Carrera gehört ebenso zu den mit Designpreisen ausgezeichneten Produkten, wie eine Schlagbohrmaschine von Black und Decker oder der legendäre Plattenspieler SK61, der beispielhaft für die reduzierte Formensprache des Herstellers Braun geworden ist.

Die Technik und das Ornament

Im Laufe der Jahre ist dabei die Reduktion auf Funktion und Zweck als oberstes Gebot zur guten Gestaltung erhoben worden. Ornamente oder Verzierungen, die keine eigene „Funktion“ haben, hatten dabei nichts zu suchen. Dabei merkten Kritiker schon früh an, dass auch das Ornament bei der Formgebung einen Zweck haben kann.

Der österreichische Architekt Adolf Loos – Autor des vieldiskutierten Werkes „Ornament und Verbrechen“ verteidigte bei seinen Entwürfen etwa den Einsatz „ornamental“ strukturierter Steinplatten als Baumaterial, die gleichzeitig zweckdienlich sind, aber auch durch das natürliche Dekor eine ästhetische Qualität mit sich bringen.

Schließlich finden sich in vielen technischen Geräten und Maschinen gewisse ornamentale Formen wieder. Zahnräder und Turbinen wirken wie Rosetten, die Sicken in einem Blech erinnern an die dekorative Kannelierung einer Säule, Gitterelemente bestehen aus rautenförmigen Mustern, die auch früher schon als Fülldekoration eingesetzt wurden.

Unser Auge bleibt trotz aller Abstraktion auch hier immer wieder an bekannten visuellen Elementen hängen. So weisen technische Gebilde stets auch ästhetische Formen auf, die wir aus der Natur oder anderswo her kennen und als schön empfinden.

Gestalterische Freiheit in der Technik

Natürlich ist der Gestaltungsspielraum je nach Art des technischen Objekts mehr oder weniger eingeschränkt. Ein Industriedesigner, der an einer neuen Autokarosserie arbeitet, muss sich zahlreichen Bedingungen unterwerfen. Ein möglichst geringer Luftwiderstand spielt genauso eine Rolle wie maximale Stabilität bei minimalem Materialeinsatz. Schließlich ist auch ein Blick auf eine effiziente Produzierbarkeit wichtig – schließlich kostet jede Arbeitsminute Zeit.

Alles in allem scheint der formale Spielraum der Gestalter dabei stark zu schrumpfen und tatsächlich wird mit den technischen Ingenieuren oft um jeden Millimeter gefeilscht. Aktuelle Entwicklungen im Bereich alternativer Antriebe oder innovativer Materialien erlauben hier jedoch vielleicht bald schon mehr Freiraum und eine ganz neue Formensprache bei den Fahrzeugen.

In anderen Bereichen lassen sich Konstrukteure und Designer mittlerweile immer mehr von digitaler Technik unter die Arme greifen, wenn es um die Gestaltung ebendieser geht. Algorithmen berechnen nicht nur statisch optimal aufgeteilte Tragwerkskonstruktionen oder die Flächenkachelung einer mehrfach gebogenen Fassadenverkleidung auf Basis veränderbarer Parameter. Die dabei entstehenden Strukturen faszinieren gleichzeitig durch ihre mathematisch-technische Anmutung in Verbindung mit ihrem ornamentalen Charakter.

26.07.2019

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Zins|gut  〈n. 12u; MA〉 vom Grundherrn abgegebenes, zinspflichtiges Bauerngut

Gal|li|um|ar|se|nid  〈n. 11; Chem.〉 dunkelgraue krebserregende Kristalle, die in der elektronischen Industrie u. a. für Fotozellen u. Transistoren als Halbleiter verwendet werden

f  I 〈n.; –, – od. –s; Mus.〉 Tonbez., Grundton der f–Moll–Tonleiter II 〈ohne Artikel〉 1 〈Mus.; Abk. für〉 1.1 f–Moll (Tonartbez.) ... mehr

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